5.3 Methodische Zwischenbemerkung

Bereits im ersten Kapitel habe ich mir eine Abweichung der Darstellungsreihenfolge dieser Einführung von der GdP erlaubt. Damals hatte ich die methodischen Überlegungen zum Fünfschritt vor die inhaltlichen Ausführungen gezogen. Dies geschieht nun erneut, in gewisser Weise jedoch mit umgekehrtem Vorzeichen: Ich schiebe die methodisch-inhaltlichen Bemerkungen zum »Wechsel der Analyseebene« an die Stelle, an die sie »chronologisch« gehören. Ferner sortiere ich auch die inhaltlichen Kapitel chronologisch um (vgl. zur Übersicht Abb. 16).

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Abb. 16: Kapitelstruktur der Einführung (links) und der GdP (rechts) im Vergleich (Klicken zum Vergrößern)

In der GdP folgen nach der Darstellung der Zweck-Mittel-Umkehrung (dem Funktionswechsel im dritten Fünfschritt) zwei umfangreiche Kapitel (5.3 und 5.4), in denen Klaus Holzkamp ausführlich begründet, warum sich die gesellschaftliche Natur des Menschen zwar evolutionär herausgebildet hat, sich selbst aber auf der neu erreichten Grundlage nicht mehr evolutionär entwickelt. Der Grund besteht — kurz vorgegriffen — darin, dass die gesellschaftlich-historische Entwicklung um Größenordnungen schneller abläuft als die evolutionäre Entwicklung, so dass sie diese als Entwicklungsprinzip ablöst (ausführlich in Kapitel 8 dieser Einführung). Die Änderung der Analysemethode ist dann eine Konsequenz aus dem Wechsel im Entwicklungstyp.

Nach der Erklärung, warum ein Wechsel der Analyseebene notwendig ist, erfolgt in der GdP ein zweifacher Durchgang durch das Material rund um den Dominanzwechsel: Einmal die inhaltliche Kategorialanalyse (Bedeutungen und Bedürfnisse) und zum zweiten die funktionale Kategorialanalyse (Wahrnehmung, Emotionalität, Motivation). Dadurch, dass zwei Mal zwischen Funktions- und Dominanzwechsel eingestiegen und nach dem Dominanzwechsel geendet wird (wobei in Unterkapiteln obendrein Erkenntnisse aus der Phase vor dem Funktionswechsel rekapituliert werden) und das dargelegte Material selbst sehr komplex ist, ist schon so Manchem in diesen Kapiteln die Übersicht verloren gegangen.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, eine logisch-chronologische Reihenfolge der Darstellung zu verwenden. Nach dem Funktionswechsel werden also nacheinander die Ergebnisse der inhaltlichen und der funktionalen Kategorialanalyse jeweils bis kurz vor dem Dominanzwechsel (noch auf Hominini-Niveau) vorgestellt. Dann wird der Wechsel der Analyseebene, der sich aus dem Dominanzwechsel ergibt, in inhaltlicher und methodischer Hinsicht erklärt. Schließlich wird die inhaltliche und der funktionale Kategorialanalyse für das menschliche Entwicklungsniveau nach dem Dominanzwechsel vorgestellt — an die schließlich die weiteren Kapitel in alter Reihenfolge anschließen.

Die verschränkte Darstellung in der GdP ist durchaus sinnvoll. Sie folgt dem Gedanken, dass die Qualität der jeweils einzelnen Entwicklungsaspekte und -dimensionen nur wirklich verstanden werden kann, wenn vorher die neue Qualität des Gesamtprozesses verstanden worden ist. Damit entspricht die Darstellung eher dem Forschungsprozess, während eine »chronologische Erzählung« diesen ausblendet. Zur logisch-chronologischen Darstellung habe ich mich aber dennoch entschlossen, weil ich sie für Einsteiger_innen, die einen Überblick über den Gesamtinhalt der GdP bekommen wollen, für deutlich eingängiger halte.

Mit dem logisch-zeitlichen Ablauf im Hinterkopf mag es dann auch einfacher sein, sich im Dschungel der GdP zu orientieren. Die roten Rahmen in der rechten Spalte markieren jeweils den entsprechenden Kapitelort in der GdP, der im aktuellen Artikel der Einführung gerade vorgestellt wird.

Die chronologische Darstellung hat jedoch auch einen Nachteil: Bevor der Entwicklungsprozess nicht rekapituliert wurde, ist nicht klar, wohin er läuft. Gleichzeitig ist die Entwicklungsrichtung grob bekannt und muss mindestens an einigen Stellen terminologisch schon eingeführt werden, bevor der Bedeutungsgehalt ausreichend dargestellt werden kann. Diese Vorgehensweise habe ich allerdings auch schon bisher praktiziert. So wurde der Begriff der gesellschaftlichen Natur des Menschen bereits in Kapitel 2 [2] eingeführt, obwohl noch überhaupt nicht klar war, was damit genau gemeint ist.


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