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	<title>... die »Grundlegung« lesen!</title>
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	<description>Eine Einführung in das Standardwerk von Klaus Holzkamp</description>
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		<title>14.3 Gegenstandsadäquatheit</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 06:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[14. Forschung und Mitforschung]]></category>
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		<description><![CDATA[Für Kritische Psychologie ist die Gegenstandsangemessenheit der Methoden das zentrale Kriterium psychologischer Forschung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1496" class="wp-caption alignright" style="width: 490px"><a href="http://grundlegung.de/data/kategorialbezug-empiriebezug-gross.gif"><img class="size-full wp-image-1496" title="Kategorialbezug und Empiriebezug" src="http://grundlegung.de/data/kategorialbezug-empiriebezug.gif" alt="" width="480" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Abb. 32: Kategorial- und Empiriebezug theoretischer Konzepte.</p></div>
<p>Es handelt sich um ein Selbstmissverständnis, wenn die Variablen-Psychologie meint, sich mit ihren experiementell-statistischen <strong>Methoden</strong> auf neutralem Boden zu befinden und ihren Gegenstand, die <strong>psychische</strong> Lebenstätigkeit, unparteiisch untersuchen (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/14-2-traditionelle-psychologie/">Kap. 14.2</a>). Tatsächlich ist in den verwendeten Konzepten, <strong>Theorien</strong> oder Definitionen und somit auch der Festlegung der »Variablen« neben dem <strong>Empiriebezug</strong> ein nicht ausgeführter <strong>Kategorialbezug</strong> enthalten (vgl. Abb. 32).</p>
<p>Der Kategorialbezug legt &#8212; implizit oder explizit &#8212; fest, <em>was</em> erforscht werden soll, wie also der Forschungsgegenstand inhaltlich bestimmt und gegliedert ist. Erst wenn klar ist, <em>womit</em> es die Forschung zu tun hat, kann sinnvoll entschieden werden, <em>wie</em> der so bestimmte Gegenstand untersucht werden kann.</p>
<p>Der Empiriebezug ist der durch den Kategorialbezug strukturierte forschende Zugang zu den vielfältigen wirklichen Erscheinungen. Auf Grundlage eines <strong>kategorialen</strong> Systems sind unterschiedliche Theorien formulierbar, denn Theorien lassen sich nicht logisch aus Kategorien ableiten (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/14-1-kategorien-und-theorien/">Kap. 14.1</a>).</p>
<p>Der Kategorialbezug selbst kann empirisch weder bestätigt, noch widerlegt werden, er ist der <strong>Empirie</strong> vorausgesetzt. Das bedeutet umgekehrt, dass Methoden keineswegs neutral sind, sondern in dem methodischen Herangehen ist bereits eingeschlossen, wie der Gegenstand theoretisch und damit auch implizit kategorial gefasst wurde.</p>
<p>Wenn also etwa ›Lernen‹ als Effekt einer ›Verstärkung‹ definiert wird, so wird damit ein inhaltlicher Zusammenhang formuliert, der einem möglichen Experiment vorausgeht und dieses strukturiert. Im Experiment selbst ist nicht entscheidbar, ob man etwas über Lernen erfährt, da die Frage, was Lernen eigentlich ist, nur kategorial geklärt werden kann. Holzkamp schreibt zu diesem Beispiel zugespitzt:</p>
<blockquote><p>»&#8230;man weiß mithin, obwohl man den aktualempirischen Zusammenhang kennt, über menschliches ›Lernen‹ damit nichts, oder richtiger: Man weiß nicht, <em>kann</em> nicht wissen, <em>was</em> man darüber weiß« (515)</p></blockquote>
<p>Ein impliziter (verborgener) kategoriale Bezug kann allerdings aufgeklärt und in seinem relativen Erkenntnisgehalt eingeschätzt werden (vgl. nächstes Kapitel).</p>
<p>Ob Methoden dem <strong>Gegenstand</strong> angemessen sind, lässt sich nur kategorial klären. Die <strong>Gegenstandsadäquatheit</strong> der Methoden ist das zentrale Kriterium. Daher ist für die Kritische Psychologie eine kategoriale Klärung vorgängig. Die Gegenstandsadäquatheit ist Objektivierungskriterien wie Geltung und Verallgemeinerbarkeit vorgeordnet. Umgekehrt gelte:</p>
<blockquote><p>»&#8230;soweit durch die ›kategorial‹-methodologische Analyse die Gegenstands<em>in</em>adäquatheit der Methode nachgewiesen ist, ist die Objektivierbarkeit ihrer Resultate <em>definitiv wertlos:</em> Was soll ein noch so optimal nachprüfbares, verifizierbares etc. Resultat nützen, wenn es aufgrund der Inadäquatheit des Kategorialbezugs mit dem zu untersuchenden Gegenstand nichts zu tun haben <em>kann?</em>« (521)</p></blockquote>
<p>Holzkamp schließt ironisch:</p>
<blockquote><p>»Wer methodische Objektivierbarkeit als selbständiges oder oberstes Kriterium der Wissenschaftlichkeit unter Ausklammerung der Gegenstandsadäquatheit des Verfahrens etablieren will, der handelt nach der Devise jenes berühmten Betrunkenen, der seinen Schlüssel im dunklen Park verloren hat, aber lieber unter der Laterne suchen will, ›weil es da heller ist‹.« (ebd.)</p></blockquote>
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		<title>14.2 Traditionelle Psychologie</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Feb 2012 06:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[14. Forschung und Mitforschung]]></category>
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		<description><![CDATA[Die traditionelle Psychologie als Kontrollwissenschaft vom Standpunkt außerhalb und die Kritische Psychologie als Subjektwissenschaft vom Standpunkt erster Person stehen sich konträr gegenüber.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1476" class="wp-caption alignright" style="width: 450px"><a href="http://grundlegung.de/data/traditionelle-psychologie-empirie-gross.gif"><img class="size-full wp-image-1476" title="Empirie-Konzept der traditionellen Psychologie" src="http://grundlegung.de/data/traditionelle-psychologie-empirie.gif" alt="" width="440" height="305" /></a><p class="wp-caption-text">Abb. 31: Empirie-Konzept der traditionellen Psychologie</p></div>
<p>Im Gegensatz zur Kritischen Psychologie vertritt die traditionelle Psychologie, v.a. in ihrer experimentell-statistischen Ausprägung, ein anderes <strong>Empirie</strong>-Konzept (vgl. Abb. 31). Auf Grundlage von <strong>Theorien</strong> und Definitionen formuliert sie bestimmte Zusammenhangsannahmen, die sie mittels &#8212; vorgeblich »neutraler« &#8212; <strong>Methoden</strong> experimentell untersucht. Sie selbst wähnt sich damit <em>außerhalb</em> des zu untersuchenden Forschungsgegenstands und der ihn betreffenden Lebenswelt.</p>
<p>Diese empirisch-experimentelle Anordnung hat die traditionelle Psychologie den Naturwissenschaften entliehen. Sie operationalisiert damit ein Variablen-Schema, nach dem ein als Funktion formulierter Zusammenhang zwischen unabhängigen und durch sie erzeugten abhängigen Variablen besteht, der im Experiment getestet wird. Dabei ist unerheblich, ob der funktionale Zusammenhang <strong>behavioristisch</strong> als Reiz-Reaktion oder <strong>kognitivistisch</strong> als Input-Output (Eingabe-Ausgabe) gefasst wird. Es handelt sich stets um einen deterministischen Zusammenhang von Bedingungen (Reiz, Input), die als Ursachen eine Wirkung, das Verhalten (Reaktion, Output), erzeugen.</p>
<p>Mittels experimenteller Anordnung und statistischen Verfahren werden ggf. störende Einflüsse ausgeblendet, das Ergebnis vereindeutigt und auf diese Weise die messtheoretischen Gütekriterien der Objektivität, Reliabilität und Validität erfüllt. Es wird angenommen, dass mit den messtheoretischen Gütekriterien gleichzeitig die psychodiagnostische Aussagekraft gegeben ist. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Gütekriterien zielen nur auf den Zusammenhang von Experiment und gewonnenen Daten, ein Schluss auf eine psychodiagnostische Aussage ist nicht zulässig.</p>
<p>Die variablen-schematisch formulierten und experimentell-statistisch durchgeführten Untersuchungen besitzen »echte wissenschaftliche Rationalität« (528), doch worauf bezieht sich diese? Sie kann sich nicht auf die psychischen Aspekte menschlicher Aktivitäten beziehen, denn dazu werden zu viele menschlich-spezifische Dimensionen durch die Anordnung wegabstrahiert:</p>
<ul>
<li>die <strong>Subjektivität</strong> und der <strong>Standpunkt erster Person</strong></li>
<li>die <strong>Intersubjektivität</strong> und soziale <strong>Selbstverständigung</strong></li>
<li>die Möglichkeit, sich <strong>bewusst zu den Bedingungen zu verhalten</strong></li>
<li>die Qualität <strong>gesellschaftlicher Kooperation</strong> und die <strong>individuelle</strong> Teilhabe daran</li>
<li>die <strong>kapitalistische</strong> <strong>Infrastruktur</strong> in der jeweiligen <strong>Lebenslage</strong>/<strong>Position</strong> usw.</li>
</ul>
<p>Stattdessen haben Zusammenhangsaussagen <em>über</em> den Menschen »den Charakter einer <em>abstrakt-unhistorischen Allgemeinheit:</em> ›Menschen‹ bzw. ›Organismen‹ überhaupt verhalten sich unter den und den Bedingungen so und so« (43):</p>
<blockquote><p>»Die <em>›Bedingungen‹ </em>erscheinen dabei prinzipiell als (durch den Forscher) <em>gesetzt </em>und das Individuum als unter den <em>so fremdgesetzten Bedingungen </em>handelnd. (&#8230;) Man <em>kann </em>hier die Planung/Auswertung von Untersuchungen gemäß den geschilderten immanent bestimmten Exaktheitskriterien gar nicht anders realisieren als dadurch, daß man die Versuchspersonen nach den daraus sich ergebenden Verfahrensregeln ›unter Bedingungen‹ (›Treatments‹) stellt und ihre dadurch bedingten Aktivitäten registriert.« (529)</p></blockquote>
<p>Holzkamp kommt zu dem Schluss, dass dem experimentell-statistischen Verfahren »nicht primär ideologische Beschränktheit, sondern wissenschaftliches Erkenntnisinteresse &#8230; zugrundeliegt, aber ein Erkenntnisinteresse, das sich aufgrund der Struktur dieses Verfahrens im Resultat selbst widerspricht« (528). Mögliche Ursachen dieses immanenten Widerspruchs werden im nächsten Kapitel diskutiert.</p>
<p>Das Fremdsetzen der Bedingungen vom <strong>Standpunkt außerhalb</strong> im experimentellen Setting entspricht strukturell den Bedingungen der <strong>Entfremdung</strong> in der kapitalistischen Gesellschaft. Die traditionelle Psychologie sei wegen der »<em>Identität des wissenschaftlichen Standpunkts </em>mit dem <em>Standpunkt der ›Kontrollierenden‹ gegen die ›Kontrollierten‹</em>« daher »mit struktureller Notwendigkeit« (530) parteilich. Holzkamp warnt allerdings vor einer einfachen Umkehrung:</p>
<blockquote><p>»Die geschilderte <em>strukturelle Parteilichkeit </em>der Variablenpsychologie ist auch dadurch <em>nicht zu neutralisieren, daß </em>man sie &#8230; – aufgrund des nicht voll überwundenen Missverständnisses von wissenschaftlichen Methoden als ›neutralen‹ Instrumenten, die jedem Interesse dienen können – radikal in den Dienst <em>fortschrittlicher Zielsetzungen und Fragestellungen nehmen will.</em>«</p></blockquote>
<p>Holzkamp schließt, dass sich die traditionelle Psychologie als Kontrollwissenschaft mit der »<em>Universalisierung des ›Standpunkts außerhalb‹, </em>damit der <em>Abhängigkeit der Menschen von fremdgesetzten Bedingungen</em>« und die »<em>›subjektwissenschaftlichen‹ Verfahren </em>vom Standpunkt des Subjekts bzw. der Intersubjektivität &#8230; <em>konträr </em>gegenüberstehen« (532).</p>
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		<title>14.1 Kategorien und Theorien</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 06:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[14. Forschung und Mitforschung]]></category>
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		<description><![CDATA[Zwischen Kategorien und Theorien besteht kein Deduktionsverhältnis. Weder können Theorien aus Kategorien abgeleitet, noch umgekehrt Theorien durch Abstraktifizierung zu Kategorien verdichtet werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1489" class="wp-caption alignright" style="width: 510px"><a href="http://localhost/grundlegung/data/kategorien-und-theorien-gross.gif" class="broken_link"><img class="size-full wp-image-1489 " title="Kategorien und Theorien" src="http://localhost/grundlegung/data/kategorien-und-theorien.gif" alt="" width="500" height="293" /></a><p class="wp-caption-text">Abb. 30: Kategorien und (Einzel-) Theorien im Forschungsprozess</p></div>
<p><strong>Kategorien</strong> und <strong>Theorien</strong> besitzen jeweils ein eigenständiges empirisches Fundament. Sie beziehen sich beide auf verschiedene Seiten des gemeinsamen Forschungsgegenstands &#8212; hier auf die psychische Lebenstätigkeit des gesellschaftlichen Individuums (vgl. die schematische Skizze in Abb. 30).</p>
<p>Die historisch-empirische <strong>Kategorialanalyse</strong> wurde als <strong>funktional-historische Rekonstruktion</strong> der Entstehung und Differenzierung des <strong>Psychischen</strong> &#8212; bis hin zum Menschen im Kapitalismus &#8212; geleistet. Die gewonnenen Grundbegriffe, die Kategorien, sind damit schon als solche »›realitätshaltig‹, haben also einen <em>eigenständigen subjektwissenschaftlichen Erkenntniswert innerhalb der Psychologie</em>« (511). Sie machen inhaltlich-fundierte Strukturaussagen, etwa die der <strong>doppelten Möglichkeit</strong>: unter Akzeptanz der gegebenen Bedingungen zu handeln oder Einfluss auf die Bedingungen zu erlangen, um die Handlungsmöglichkeiten zu erweitern (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/11-3-doppelte-moeglichkeit/">Kap. 11.3</a>). Welche der Handlungsrichtungen eingeschlagen wird, welche Widersprüche, Möglichkeiten und Beschränkungen sich dabei ergeben, kann dann allerdings nur aktualempirisch erforscht werden. Allgemeine Strukturaussagen lassen sich nicht auf den Einzelfall herunterkonkretisieren. Kategorien sind analytische Bestimmungen, die den erkennenden Zugriff auf die Lebenswelt strukturieren.</p>
<p>Auf der Grundlage der Kategorien werden (u.U. widerstreitende) Theorien entwickelt, um den wirklichen Erscheinungsreichtum des vorliegenden Einzelfalls mit Hilfe von aktualempirischen <strong>Methoden</strong> zu erschließen. Die Theorien werden &#8212; idealerweise &#8212; in verallgemeinernden (Theorie-) Begriffen formuliert, während die konkreten Ergebnisse der <strong>Aktualempirie</strong> so genau wie möglich in <strong>Beschreibungsbegriffen</strong> erfasst werden.</p>
<p>Zwischen Kategorien und Theorien besteht kein Deduktionsverhältnis. Weder können Theorien aus Kategorien abgeleitet, noch umgekehrt Theorien durch Abstraktifizierung zu Kategorien verdichtet werden. Kategorien setzen den inhaltlich qualifizierten Rahmen &#8212; den »<em>Gegenstand, </em>seine Abgrenzung nach außen, sein Wesen, seine innere Struktur« (27) &#8212; für die Formulierung von Theorien, die Entwicklung von Methoden und die Interpretation von Ergebnissen (Abb. 30: Pfeil mit durchgezogener Line). Scheitern Theorien bei ihrer empirischen Überprüfung, so kann dies auch ein Hinweis auf die Unangemessenheit der kategorialen Grundlage sein (Abb. 30: Pfeil mit gepunkteter Linie). Das kann jedoch wiederum nur kategorialanalytisch überprüft werden.</p>
<p>Wenn auch Methoden durch die Kategorien inhaltlich vorstrukturiert sind, bedeutet das, dass Methoden keinen neutralen Status besitzen (können), sondern mit ihnen vorgegeben ist, was am Forschungsgegenstand sichtbar gemacht werden kann und was systematisch &#8212; methodisch &#8212; verschleiert wird. Der notwendige inhaltliche Zusammenhang von Kategorien und Methoden ist der Ausgangspunkt für die umfängliche Methodenkritik an der traditionellen Psychologie.</p>
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		<title>14. Forschung und Mitforschung</title>
		<link>http://grundlegung.de/artikel/14-forschung-und-mitforschung/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 06:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In diesem Kapitel geht es um die Methodologie als Metafrage darum, wie aktualempirische Methoden angesichts konkreter ›Fälle‹ entwickelt werden können.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_158" class="wp-caption alignright" style="width: 382px"><img class="size-full wp-image-158  " title="Vier theoretische Bezugsebenen" src="http://localhost/grundlegung/data/vier-theorie-ebenen.gif" alt="" width="372" height="267" /><p class="wp-caption-text">Abb. 1: Die vier theoretischen Bezugsebenen der Kritischen Psychologie mit dem Schwerpunkt der funktional-historischen Kategorialanalyse.</p></div>
<p>In diesem Kapitel geht es um die <strong>Aktualempirie</strong> und ihre <strong>Methoden</strong> &#8212; allerdings nicht um diese selbst, sondern um die <strong>Methodologie</strong> als Metafrage darum, wie aktualempirische Methoden angesichts konkreter ›Fälle‹ entwickelt werden können.</p>
<p>Aktualempirische Forschung ist auf einzelne <strong>Theorien</strong> bezogen, die wiederum eine <strong>kategoriale</strong> Grundlage besitzen. Zur Erinnerung seien die vier Bezugsebenen der Kritischen Psychologie (Abb. 1) in Erinnerung gerufen. Mit den Kategorien entscheidet sich, <em>was</em> wir mit auf der Grundlage von auf Einzeltheorien formulierten aktualempirischen Methoden von einem <strong>Gegenstand</strong> zu Gesicht bekommen können und <em>was nicht</em>. Die Kategorien betreffen somit zwei Seiten des Forschungsprozesses: die einzeltheoretisch-inhaltliche und die aktualempirisch-methodische Seite.</p>
<p>Oder in den Worten von Klaus Holzkamp:</p>
<blockquote><p>»Wir fragen &#8230; jetzt nach den <em>methodologischen Prinzipien </em>für die Entwicklung von <em>Methoden </em>aktualempirischer psychologischer Forschung, die sich aus dem Zusammenhang der von uns herausgearbeiteten <em>subjektwissenschaftlichen Kategorialbestimmungen </em>&#8230; ergeben.« (510)</p></blockquote>
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		<title>13.7 Kindheit als Vergangenheit und Gegenwart des Erwachsenen</title>
		<link>http://grundlegung.de/artikel/13-7-kindheit-als-vergangenheit-und-gegenwart-des-erwachsenen/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 06:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Individualentwicklung]]></category>
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		<category><![CDATA[Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Die unumgehbare kindliche Beschränkung auf unmittelbare Lebenswelt sowie als unmittelbarkeitsfixierte deutende Weltsicht restriktiver Handlungsfähigkeit des Erwachsenen kann zu einer verschränkten Dynamik regressiver Bewältigungsweisen führen. Aktuelle Probleme können also immer auch eine ontogenetisch-biographische Dimension besitzen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <strong>Ontogenese</strong> ist für den Erwachsenen nicht bloß vergangene Geschichte, sondern gegenwärtiger &#8212; präsenter oder verdrängter &#8212; Teil des eigenen Lebens. Ihre Analyse umfasst somit drei Momente:</p>
<ul>
<li>die <strong>Kind-Erwachsenen-Koordination</strong></li>
<li>die Kindheitsentwicklung darin als <strong>Realbiographie</strong></li>
<li>je meine Kindheit, wie ich sie als meine <strong>Phänomenalbiographie</strong> erfahre</li>
</ul>
<p>Unterschiede und Zusammenhang dieser drei Momente müssen sich in der <strong>aktualempirischen</strong> Forschung konkretisieren. Dabei ist insbesondere das Spannungsverhältnis von realer biographischer Entwicklung und je meinem Blick in meiner <strong>situationalen Befindlichkeit</strong> darauf relevant, sofern dies zur »<em>personalen Einschränkung </em>von <em>mir jetzt gegebenen Möglichkeitsräumen, </em>insbesondere der <em>Begünstigung der Alternative ›restriktiver Handlungsfähigkeit‹ </em>&#8230; durch <em>mein Verhaftetsein </em>in <em>Erfahrungsweisen, Beziehungen, Verfügungs- und Bewältigungsformen </em>auf <em>unentwickelten ontogenetischen Prozeßniveaus</em>« (499) (also vor der <strong>Unmittelbarkeitsüberschreitung</strong>) führt.</p>
<p>Wir haben es hier mit zwei Formen der Unmittelbarkeitsverhaftetheit zu tun: die entwicklungslogisch unumgehbare kindliche Beschränkung auf die unmittelbare Kind-Erwachsenen-Koordination (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/13-6-entwicklungszug-der-unmittelbarkeitsueberschreitung">Kap. 13.6</a>) und die unmittelbarkeitsfixierte <strong>deutende</strong> Weltsicht im Modus der <strong>restriktiven Handlungsfähigkeit</strong> des Erwachsenen als Verzicht auf die Alternative <strong>verallgemeinerter Handlungsfähigkeit</strong> (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/12-6-deuten-und-begreifen/">Kap. 12.6</a>). In der »Kindheits-Fixierung« sieht es für das <strong>Individuum</strong> so aus,</p>
<blockquote><p>»<em>als ob </em>die <em>kindlichen Erfahrungs- und Bewältigungsweisen </em>vor dem Entwicklungszug der Unmittelbarkeitsüberschreitung auch heute noch, für den Erwachsenen, die <em>einzig mögliche, </em>daher <em>unhinterfragbar ›natürliche‹ Form der Welt und Selbstbegegnung </em>wären« (501).</p></blockquote>
<p>Nach Holzkamp fließen also hier »die <em>Selbstverständlichkeiten des kindlichen Lebens in der Unmittelbarkeit</em> mit dem <em>dem Erwachsenen naheliegenden bzw. nahegelegten Sich-Einrichten in der Unmittelbarkeit phänomenal</em>« (ebd.) zusammen:</p>
<blockquote><p>»Der Umstand, daß der Erwachsene mit seiner ›restriktiven‹ Unmittelbarkeitsverhaftetheit <em>nicht ›als Kind‹, </em>sondern lediglich in gewissem Sinne <em>›wie ein Kind‹ </em>handelt, wäre <em>so nicht reflektierbar </em>und die <em>restriktiv-deutende Welt und Selbstsicht </em>gewönne so an <em>Glätte und Festigkeit selbstverständlicher Funktionalität.</em>« (ebd.)</p></blockquote>
<p>Die Alternative der verallgemeinerten Handlungsfähigkeit ist demnach stets nur »gegen den Strom des allseits (für die fremdbestimmte Erwachsenenexistenz in der bürgerlichen Gesellschaft) Naheliegenden« und damit auch »<em>gegen den Strom der aus der eigenen Kindheit als unreflektiert universeller Erfahrungshintergrund überkommenen Selbstverständlichkeiten</em>« (502) durchzusetzen.</p>
<p>Problematische <strong>Situationen</strong> wären demnach für den Erwachsenen immer auch danach zu befragen, inwieweit sich in ihnen kindliche Bewältigungsformen von Konflikten reaktualisieren:</p>
<blockquote><p>»Zur Überwindung der ›<strong>Selbstfeindschaft</strong>‹ restriktiver Handlungsfähigkeit muß ich also auch zu <em>meiner eigenen Kindheit ein <strong>bewußtes ›Verhältnis‹ </strong></em>gewinnen, d.h. ich muß <em>meine frühkindlichen </em>Weisen der Erfahrung/Bewältigung auf die <em>vergangenen </em>Prämissen ihrer subjektiven Begründetheit/Funktionalität hin durchschauen können, damit realisieren, daß <em>ich jetzt kein Kind mehr bin </em>und, soweit ich versuche, meine Probleme <em>immer noch in ›kindlicher‹ Weise zu bewältigen, </em>damit einer <em>objektiven und subjektiven Verbesserung meiner Lebenslage selbst im Wege </em>stehe.« (506)</p></blockquote>
<p>Dies bedeute, wie Holzkamp betont, jedoch keinen Abschied von der eigenen Kindheit und auch keine Abwendung von den Eltern, sondern eröffne die Möglichkeit, die Formen regressiver Konfliktbewältigung mit den »Eltern als Prügelknaben für die Rechtfertigung meiner eigenen ›restriktiven‹, defensiv-kleinlichen Lebensführung« (507) zu überwinden und damit potenziell »mit ihnen zusammen <strong>Möglichkeitsräume</strong> der Erweiterung gemeinsamer Lebenserfüllung, damit der Verbesserung unserer Beziehungen, auszumachen und zu realisieren suchen« (ebd.). Dies gelte auch in Bezug auf die Kinder, mit denen ich aktuell zusammenlebe. In ihnen kann ich die</p>
<blockquote><p>»subjektive Notwendigkeit der <em>Erweiterung ihrer eigenen Verfügungsmöglichkeiten </em>als Aspekt der <em>allgemeinen </em>Notwendigkeit von Lebensverhältnissen, unter denen <em>die Betroffenen Herr ihrer eigenen Angelegenheiten </em>sind, <em>erkennen, akzeptieren und fördern, muß </em>also die Kinder weder nach dem Bild meiner eigenen defensiven ›Kindlichkeit‹ klein und abhängig halten, noch deren Entwicklung als immer weitergehendes Zurückstecken von ›überhöhten‹ Lebensansprüchen bis hin zum ›Realismus‹ meiner eigenen mickrigen Erwachsenenexistenz verfälschen (und dies womöglich noch, wie die Psychoanalyse, wissenschaftlich stilisieren).« (ebd.)</p></blockquote>
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		<title>13.6 Entwicklungszug der Unmittelbarkeitsüberschreitung</title>
		<link>http://grundlegung.de/artikel/13-6-entwicklungszug-der-unmittelbarkeitsueberschreitung/</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 06:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Überschreitung der familialen/häuslichen Unmittelbarkeit bietet für den Heranwachsenen neue Möglichkeiten der Selbstbestimmung. Gleichzeitig legen die gesellschaftlichen Anforderungen die Entwicklung in eine fremdbestimmte Erwachsenen-Existenz in der kapitalistischen Gesellschaft nahe.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch nach Erreichen der <strong>Bedeutungsverallgemeinerung</strong> und <strong>Kooperativität</strong> bezieht sich die kindliche Lebenslage zunächst vorwiegend auf den familialen (bzw. häuslichen) Unterstützungsrahmen, erweitert ggf. um den von anderen Kindern oder von kinderbetreuenden Institutionen. Zwar wird nun ›irgendwie‹ klar, dass die Dinge ›irgendwo‹ gemacht werden, und auch die Erwachsenen beziehen ihre Macht aus ›externen‹ Quellen (›Geld haben ist Macht haben<em></em>‹) &#8212; einschließlich damit einhergehender Verpflichtungen (›Geld verdienen <em>müssen</em>‹ etc.). Jedoch sind diese außerfamilial (bzw. außerhäusig) bezogenen <strong>Brauchbarkeiten</strong> und <strong>Bedeutungen</strong> der Dinge sowie die <strong>Prämissen</strong> der Macht der Erwachsenen für das Kind nicht aus dem <strong>unmittelbaren Kooperationsrahmen</strong> heraus erklärlich.</p>
<p>Die »Diskrepanzen zwischen dem <em>Einfluß der Erwachsenen </em>und <em>seinem eigenen Einfluß </em>auf den gemeinsamen Lebensprozeß« (474) kann das Kind nur durch eigene Entwicklung verringern. Holzkamp spricht in diesem Zusammenhang von einer »globalen Entwicklungsorientiertheit« (475). Diese gehe jedoch nicht auf eine eingebaute ›Wachstums-Motivation‹ zurück, wie es etwa die Humanistische Psychologie annehme, sondern das Kind könne »nur so seine <em>Ausgeliefertheit und seine Isolation von den Verfügungsmöglichkeiten in Abhängigkeit von den Erwachsenen </em>überwinden und die <em>Perspektive eines angstfreien Daseins ›menschlicher‹ Bedingungsverfügung/Bedürfnisbefriedigung </em>gewinnen« (ebd.).</p>
<p>Das Hineinwachsen in außerfamiliale Anforderungen (Kita, Schule etc.) verbreitert die <strong>Handlungs</strong>basis des Kindes bzw. Heranwachsenen, während die Rolle des unmittelbaren Unterstützungsrahmens relativiert wird. Einerseits bieten die außerfamilialen Aktivitäten neue Möglichkeiten für eine größere <strong>Selbstbestimmung</strong>, andererseits laufen die <strong>gesellschaftlichen</strong> Anforderungen auf eine <strong>fremdbestimmte</strong> Erwachsenen-Existenz in der <strong>kapitalistischen</strong> Gesellschaft hinaus. Die individuellen Weisen der <strong>Unmittelbarkeitsüberschreitung</strong> vollziehen sich damit im Spannungsfeld von <strong>restriktiver</strong> und <strong>verallgemeinerter Handlungsfähigkeit</strong> (vgl. Kap. <a href="http://grundlegung.de/artikel/12-3-restriktive-und-verallgemeinerte-handlungsfaehigkeit/">12.3</a>). Eine genauere Klärung der möglichen Widersprüche kann nicht auf <strong>kategorialer</strong>, sondern nur auf <strong>aktualempirischer</strong> Basis vorgenommen werden.</p>
<p>Eine besondere Form der Beziehung zwischen Heranwachsenden und Erwachsenen, die sogenannte <strong>Erziehung</strong>, fasst Holzkamp in deutlichen Worten:</p>
<blockquote><p>»In dem herrschenden Konzept von ›Erziehung‹, dem gemäß Kinder genuin nicht lernen und sich entwickeln ›wollen‹, sondern erst durch Drohungen, Einschüchterungen und Bestechungen dazu gepresst werden müssen, ist das gesellschaftliche Interesse an der Durchsetzung des Sich-Abfindens mit der Fremdbestimmtheit, also partiellen Behinderung und ›Brechung‹ der kindlichen Aktivitäten zur subjektiv notwendigen Erweiterung seiner Verfügung/Lebensqualität durch Selbstentwicklung, bereits im Sinne der bürgerlichen Ideologie impliziert. Kindliche Lebensbedingungen, in denen es sich frei und ungebrochen in Richtung auf die Durchsetzung seiner Lebensinteressen in Teilhabe an der Verfügung über allgemeine/eigene Daseinsumstände entwickeln kann, sind eben nicht die, aus welchen die ›gebremste‹ Bedingungsverfügung der Erwachsenenexistenz in der bürgerlichen Gesellschaft resultiert« (476f)</p></blockquote>
<p>Mit Hilfe der entwickelten ontogenetischen Kategorien sollen</p>
<blockquote><p>»für die betroffenen Kinder wie Erwachsenen die unterschiedlichen Formen der <em>Beeinträchtigung ihrer Befindlichkeit innerhalb der <strong>Kind-Erwachsenen-Koordination</strong>, </em>des <em>Verfügungsentzugs, der Angst </em>und des <em>Leidens, </em>als <em>Erscheinungsweisen historisch bestimmter Restriktionen subjektiv notwendiger Handlungsfähigkeit </em>&#8230; aufgrund <em>gesellschaftlicher Unterdrückungs- und Mystifikationsverhältnisse unter bürgerlichen Lebensbedingungen &#8230;</em> <em>durchdringbar </em>und so deren <em>immanente ›Gebrochenheiten‹ und Widersprüchlichkeiten </em>in Richtung auf <em>verallgemeinerte Handlungsfähigkeit </em>und <em>›menschliche‹ Lebensqualität &#8230;</em> leichter <em>überwindbar </em>sein« (496)</p></blockquote>
<p>Die »Richtung« der verallgemeinerten Handlungsfähigkeit wird noch genauer bestimmt: Es gehe darum, den Betroffenen die Perspektive zu eröffnen, »die <em>Kind-Erwachsenen-Koordination in Richtung auf ›<strong>Intersubjektivität</strong>‹ zu entwickeln </em>und schließlich in <em>verallgemeinerten ›intersubjektiven‹ Beziehungen zwischen Menschen aufzuheben</em>« (ebd.). Damit ist auch die Alternative zur Erziehungsförmigkeit von Beziehungen benannt, was allerdings in der <strong>GdP</strong> nicht weiter ausgeführt wird.</p>
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		<title>13.5 Widersprüche im Dominanzwechsel zur Bedeutungsverallgemeinerung</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 06:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Individualentwicklung]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit dem Erreichen der Bedeutungsverallgemeinerung und Kooperativität im unmittelbaren Rahmen erweitert sich einerseits die kindliche Selbstbestimmung, andererseits ist das Kind von der fremdbestimmten Sicherstellung des unmittelbaren Kooperationskontexts durch die Erwachsenen abhängig.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Überschreiten der bloß <strong>sozialintentionalen</strong> <strong>Interaktion</strong> in der <strong>Kind-Erwachsenen-Koordination</strong> in Richtung auf <strong>Bedeutungsverallgemeinerung</strong> und <strong>kooperative Beziehungen</strong> (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/13-3-von-der-verwendbarkeit-zur-hergestelltheit/">Kap. 13.3</a>) verändern sich die kindlichen Möglichkeiten des Umgangs mit Verfügungseinschränkungen. Intentionen der Erwachsenen werden nun nicht bloß als absichtsvoll erfahren, sondern können auch in Bezug auf ihre inhaltliche Qualität beurteilt werden.</p>
<p>Damit ergibt sich für das Kind nun jedoch auch eine neue Qualität des Leidens, sofern es von der nun möglichen kooperativen Verfügung über eigene oder gemeinsame Lebensbedingungen ausgeschlossen wird, auch wenn der Unterstützungsrahmen allgemein gegeben ist:</p>
<blockquote><p>»Zwar ist das Kind nach wie vor auf die interaktive Zuwendung der Erwachsenen angewiesen, es kann aber dennoch <em>unter dieser Zuwendung leiden, </em>wenn damit die Ansätze zur ›Selbständigkeit‹ des Kindes in seinen ›nützlichen‹ Beiträgen eingeschränkt sind, und das Kind <em>von der neuen, ›kooperativen‹ Gemeinsamkeit mit den Erwachsenen isoliert </em>wird.« (467f)</p></blockquote>
<p>In der Mischung von einerseits Beteiligung an der <strong>unmittelbaren Kooperation</strong> und andererseits Erfahrungen von willkürlichem Ausschluss sieht Holzkamp eine »<em>Vorbereitung </em>auf die spätere <em>fremdbestimmte Erwachsenen-Existenz </em>unter bürgerlichen Lebensverhältnissen«:</p>
<blockquote><p>»Das Kind ›lernt‹ hier nämlich &#8230;, daß es zwar <em>einerseits </em>seine eigenen Angelegenheiten in Kooperation mit anderen in die eigene Hand nehmen, dabei auch die Bereitschaft und Fähigkeit zu für alle nützlichen Beiträgen entwickeln kann und soll, daß es aber <em>andererseits </em>die <em>Bedingungen seiner grundsätzlichen Abhängigkeit und Fremdbestimmtheit bei Strafe der Existenzbedrohung nicht zu hinterfragen und anzutasten </em>hat« (469)</p></blockquote>
<p>Auf der anderen Seite kann das Kind die Ebene der Fremd- und Selbst<strong>instrumentalisierung</strong> überschreiten und neue Formen der kooperativen Eigenständigkeit und Verfügung (etwa durch Beteiligung an der Kooperation im Haushalt) sowie des Widerstands gegen willkürliche Eingriffe der Erwachsenen (die Teilhabe-Bestrebungen abwürgen, nicht ernst nehmen etc.) entwickeln. Akzeptiert das Kind nun willkürliche Eingriffe und zeigt gefordertes Wohlverhalten,</p>
<blockquote><p>»so muß es damit ›fertig werden‹, daß es in diesem Verzicht auf begründbare Verfügungserweiterung seine eigenen ›menschlichen‹ <strong>Interessen</strong> verletzt, indem es seine <em>Unselbständigkeit und Ausgeliefertheit, </em>denen es einerseits zu <em>entkommen </em>trachtet, hier andererseits durch das <em>eigene Benehmen selbst bestätigt und befestigt, </em>mit all den geschilderten aus solcher ›<strong>Selbstfeindschaft</strong>‹ resultierenden Tendenzen zur Realitätsabwehr und -verleugnung.« (471)</p></blockquote>
<p>Die in der Kooperation liegende neue Qualität der Verfügung über unmittelbare Lebensbedingungen ist also widersprüchlich: Sie erweitert einerseits die kindliche <strong>Selbstbestimmung</strong> und bietet neue Möglichkeiten der Angstreduktion vor unverfügbaren Situationen; andererseits ist das Kind von der <strong>fremdbestimmten</strong> Sicherstellung des unmittelbaren Kooperationskontexts durch die Erwachsenen vollständig abhängig.</p>
<p>In dieser widersprüchlichen Situation haben auch die Erwachsenen neue Möglichkeiten. Sie können sich mit kindlichen Rückgriffen auf die wechselseitige sozialintentionale Fremd- und Selbstinstrumentalisierung verbünden oder kooperative Tendenzen ernst nehmen und unterstützen. In der neuen Dynamik der Kind-Erwachsenen-Koordination kann das Kind</p>
<blockquote><p>»nun erstmalig und ansatzweise den Erwachsenen nicht nur unter Anerkennung seiner ›grundlosen‹ Abhängigkeit von ihm ›instrumentalisieren‹, sondern auch zum <em>Bündnispartner </em>einer <em>gemeinsamen </em>Erweiterung der Bedingungsverfügung, damit <em>Verbesserung der Lebensqualität des Kindes wie des Erwachsenen </em>innerhalb der unmittelbaren Lebensgemeinschaft &#8230; gewinnen« (472)</p></blockquote>
<p>Das widersprüchliche Verhältnis von sich vergrößernder Selbstbestimmung bei Unerreichbarkeit des fremdbestimmten unmittelbaren Existenzrahmens ist innerhalb des <strong>Entwicklungszugs</strong> der Bedeutungsverallgemeinerung nicht auflösbar und verweist damit auf die weitere Entwicklung in Richtung auf die <strong>Unmittelbarkeitsüberschreitung</strong>.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>13.4 Vorformen restriktiver und verallgemeinerter Handlungsfähigkeit</title>
		<link>http://grundlegung.de/artikel/13-4-vorformen-restriktiver-und-verallgemeinerter-handlungsfaehigkeit/</link>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 06:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Individualentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivitätsbereitschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Sowohl auf dem Niveau des Probierens/Beobachtens bzw. des sozialen Signallernens wie der Sozialintentionalität entwickeln sich Vorformen restriktiver und verallgemeinerter Handlungsfähigkeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Entfaltung der Potenzen zur individuellen <strong>Vergesellschaftung</strong> in der <strong>Ontogenese</strong> vollzieht sich von Geburt an unter den Bedingungen des real existierenden <strong>Kapitalismus</strong>. Die historisch veränderlichen <strong>Herrschafts</strong>verhältnisse führen in Abhängigkeit vom Entwicklungsstand des Kindes zu »<em>mehr oder weniger unspezifischen Entwicklungsbehinderungen</em>« (458). Daraus ergibt sich die Frage,</p>
<blockquote><p>»auf welchem Prozeßniveau der Ontogenese in welcher Weise für das Kind <em>mehr oder weniger unspezifische Vorformen </em>der Alternative <em>restriktiver oder verallgemeinerter Bedrohtheitsüberwindung, </em>also Verfügungssicherung durch Sich-Einrichten in der Abhängigkeit oder Erweiterung des Verfügungsrahmens, bestehen, in welcher Weise also einerseits die <em>individuelle Reproduktion von Unterdrückungszusammenhängen </em>im herrschenden Interesse während der Ontogenese durchgesetzt und ›eingeübt‹ wird, und in welcher Weise andererseits die <em>Möglichkeit des subjektiven Widerstands dagegen </em>sich in der Ontogenese ausprägen und spezifizieren kann.« (459)</p></blockquote>
<p>In der folgenden Betrachtung sind die bereits in <a href="http://grundlegung.de/artikel/13-2-vom-sozialen-signallernen-zur-sozialintentionalitaet/">Kapitel 13.2</a> vorgestellten drei Niveaus der Entwicklung im Entwicklungszug der <strong>Bedeutungsverallgemeinerung</strong> zu diskutieren:</p>
<ul>
<li><strong>Probieren/Beobachten</strong> und <strong>soziales Signallernen</strong></li>
<li><strong>Sachintentionalität</strong> und <strong>Sozialintentionalität</strong></li>
<li><strong>Kooperativität</strong> und Bedeutungsverallgemeinerung (Kap. 13.5)</li>
</ul>
<p>Auf dem Niveau des Probierens/Beobachtens und sozialen Signallernens sind es vor allem Einschränkungen des Unterstützungsrahmens, die Lernaktivitäten des Kindes behindern. Holzkamp beschreibt beispielhaft solche Lernbehinderungen als »Leere, Anregungsarmut, Reglementiertheit« in Bezug auf die »<em>sachbezogenen Aktivitäten</em>« (461) und »Inkonsistenz, Vernachlässigung der <em>Befriedigung primärer Bedürfnisse </em>einschließlich der Unterdrückung <em>sexueller Impulse</em> des Kindes« resultierend in »<em>vitale[r] Verunsicherung</em>« (ebd.). Diese haben »für das Kind noch den Charakter von <em>blinden und zufälligen Naturereignissen</em>« (ebd.).</p>
<p>Die Möglichkeiten des Kindes, den Bedrohungen der Verfügung zu begegnen, bestehen in der Optimierung der ausgesendeten Sozialsignale zur Herbeiführung von Sorgeaktivitäten durch Erwachsene. Vorformen der <strong>restriktiven Handlungsfähigkeit</strong> bestehen dabei im selektiven Unterlassen von solchen Signalen, die Beeinträchtigungen zur Folge haben, damit zur schrittweisen »›<em>Anpassung‹ durch ›Arrangement‹ mit den Herrschenden</em>« (462) in Gestalt der Erwachsenen. Die Alternative der Nicht-Anpassung als erster Vorläufer <strong>verallgemeinerter Handlungsfähigkeit</strong> liegen in passivem oder aktivem Widerstand gegen die »›Maßnahmen‹ der Erwachsenen« (ebd.), um sich nicht völlig auszuliefern.</p>
<p>Die Erwachsenen haben nun ihrerseits die Möglichkeit, auf kindliche Anpassungs- oder Widerstandsaktivitäten mit Versuchen verstärkter Beeinflussung und Unterdrückung bis hin zu rigider Dressur zu reagieren <em>oder</em> die kindliche Bedürftigkeit und ihre Ausdrucksformen anzunehmen und den Unterstützungsrahmen sicher zu stellen. Die sich ergebenden Dynamiken in der <strong>Kind-Erwachsenen-Koordination</strong> können ggf. im Einzelnen nur <strong>aktualempirisch</strong> aufgeklärt werden.</p>
<p>Auf dem Niveau der Sozialintentionalität nimmt das Kind die Aktivitäten der Erwachsenen als absichtsvoll wahr und entwickelt eigene Absichten. Da das Kind nun einerseits zwischen Sachen und Personen unterscheiden kann, ihm andererseits die hinter der unmittelbaren <strong>Interaktion</strong> stehenden <strong>Handlungszusammenhänge</strong>, die das Handeln der Erwachsenen begründen, nicht einsichtig sind, kann es Beeinträchtigungen nur kurzschlüssig auf sich und die Absicht des Erwachsenen zurückführen: »Sie <em>tun mir das an, weil sie mich nicht mögen</em>« (463).</p>
<p>Gleichzeitig stehen dem Kind nun neue Möglichkeiten zur Verfügung, eigene Absichten zur Überwindung von Bedrohungen einzusetzen. Es kann gezielt Absichten oder aggressive Impulse verbergen oder nicht vorhandene Absichten vorgeben zu haben, um die Geneigtheit der Erwachsenen zu erreichen. Dies wird befördert durch Erwachsene, die dem Kind Absichten oder Pläne unterstellen, wo zunächst noch keine sind (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/13-2-vom-sozialen-signallernen-zur-sozialintentionalitaet/">Kap. 13.2</a>). Erfolgreiche absichtsvolle kindliche Manipulationen der Erwachsenen sind</p>
<blockquote><p>»zugleich die ›dynamische‹ Grundlage für die Entstehung charakteristischer <em>›Schuldgefühle‹, </em>nicht nur deswegen, weil das Kind den ›lieben‹ Erwachsenen gegenüber, die es am Leben erhalten, gleichzeitig ›Aggressionen‹ hat, sondern speziell deswegen, weil es deren <em>Zuwendung </em>hier nur durch emotionales ›Falschspiel‹ erschlichen, also gar nicht <em>›verdient‹ </em>hat.« (465)</p></blockquote>
<p>Die sozialintentionale Manipulation und <strong>Instrumentalisierung</strong> der Erwachsenen, von denen das Kind gleichzeitig abhängig ist und sich u.U. in seiner Bedingungsverfügung bedroht sieht, kann eine Dynamik hervorbringen, die »eigenen <em>aggressiven Impulse </em>samt der <em>Tatsache ihres Verbergens </em>zur Vermeidung des ›Ertapptwerdens‹ und entsprechender Existenzgefährdung« zu verdrängen und die »<em>Beeinträchtigung/Verletzung durch die Erwachsenen, </em>in welcher die <em>eigenen Aggressionen </em>›begründet‹ sind, <em>selbst zu verleugnen </em>und so in <em>›Identifikation‹ mit fremden Zwängen die eigenen elementaren Lebensinteressen zu verkennen und zu negieren</em>« (ebd.), einschließlich der »im <em>Arrangement mit den Herrschenden </em>liegende <em>›<strong>Selbstfeindschaft</strong>‹ </em>als <em>›dynamischer‹ Ursprung des ›<strong>Unbewussten</strong>‹</em>« (466).</p>
<p>Holzkamp vermutet in den beschriebenen »›Vorwegnahmen‹ von Zügen restriktiver Handlungsfähigkeit &#8230; ein <em>notwendiges Stadium ontogenetischer Entwicklung innerhalb der bürgerlichen Klassenwirklichkeit</em>«, so dass »die Herausbildung verallgemeinerter Handlungsfähigkeit durch Verfügungserweiterung im Zusammenschluss mit anderen quasi immer erst <em>gegen konträre Tendenzen </em>aus der <em>eigenen frühkindlichen Individualgeschichte </em>durchgesetzt werden« (467) kann.</p>
<p>Die Widersprüche im Zuge des Überschreitens der Sozialintentionalität in Richtung auf Kooperativität und Bedeutungsverallgemeinerung werden im nächsten Kapitel diskutiert.</p>
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		<item>
		<title>13.3 Von der Verwendbarkeit zur Hergestelltheit</title>
		<link>http://grundlegung.de/artikel/13-3-von-der-verwendbarkeit-zur-hergestelltheit/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 06:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Individualentwicklung]]></category>
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		<description><![CDATA[Im zweiten Schritt des Entwicklungszuges der Bedeutungsverallgemeinerung überschreitet das Kind die Diskrepanz vom individuellen Machen zum gesellschaftlich-allgemeinen Gemachtsein-Zu der Dinge, allerdings noch beschränkt auf die Lebenswelt der unmittelbaren Kind-Erwachsenen-Koordination.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch nachdem die <strong>Kind-Erwachsenen-Beziehungen</strong> die Qualität der <strong>Sozialintentionalität</strong> gewonnen haben (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/13-2-vom-sozialen-signallernen-zur-sozialintentionalitaet/">Kap. 13.2</a>), besitzen die <strong>Mittelbedeutungen</strong> für das Kind dennoch nur den Charakter von naturhaft zufälligen Verwendbarkeiten:</p>
<blockquote><p>»&#8230;der Fotoapparat ist zur Geräuscherzeugung durch Auf-den-Fußboden-Hauen <em>genauso geeignet</em> wie etwa ein Bauklotz« (447f)</p></blockquote>
<p>Das Kind kann die <strong>gesellschaftlich</strong>-allgemeine <strong>Brauchbarkeit</strong>, die den <strong>Mitteln</strong> durch verallgemeinerte <strong>Herstellung</strong> zukommen, noch nicht realisieren. Interventionen der Erwachsenen werden zwar als <em>Intentionen</em> verstanden, nicht jedoch aufgrund ihres <em>Inhalts</em>, der auf verallgemeinerte, da gesellschaftlich hergestellte <strong>Bedeutungen</strong> verweist. Holzkamp schiebt hier folgende Kritik ein:</p>
<blockquote><p>»&#8230;das Kind benimmt sich also, wenn es die Ebene des ›sozialintentionalen‹ Signallernens noch nicht überschritten hat, tatsächlich so, wie es gemäß der traditionellen lerntheoretisch-psychoanalytischen ›Sozialisationstheorie‹ für die individuelle Vergesellschaftung des Menschen überhaupt kennzeichnend sein soll: Es ›verinnerlicht‹ die Ge- und Verbote der Erwachsenen aufgrund deren ›positiver‹ oder ›negativer Sanktionen‹ als ›Normen‹ für sein eigenes Verhalten« (447)</p></blockquote>
<p>Auch das Erlernen von <strong>Sprache</strong> zielt zunächst nur auf eine lautlich-kommunikative Effektivierung der intentionalen Beziehungen ab, erfasst aber noch nicht die begrifflich-symbolischen Inhalte, die auf die <strong>gesellschaftlichen Bedeutungsstrukturen</strong> und <strong>Denkformen</strong> verweisen (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/6-3-entstehung-der-sprache-aus-praktischen-begriffen/">Kap. 6.3</a>).</p>
<p>Ansatzpunkt für die <strong>Aufhebung</strong> des Widerspruchs zwischen objektiv-allgemeiner Bedeutung der Mittel und ihrer für das Kind begrenzten Zugänglichkeit über die bloß zufällige Verwendbarkeit hinaus ist das intentionale <strong>Probieren/Beobachten</strong> als ›Machen‹ mit vergegenständlichten Resultaten (Malen, Basteln etc.). Die zu überschreitende Diskrepanz ist also die zwischen dem <em>individuell-intentionalen Machen</em> hin zum Erfassen des (ebenso intentionalen) <strong>Verallgemeinertem-Gemachtsein-Zu</strong> der Mittel in der Lebenswelt des Kindes.</p>
<p>Das Kind erfährt, dass es nicht nur einfach Dinge machen kann, sondern es lernt, dass es diese auch gezielt <em>für Andere</em> machen kann, so wie es erlebt, dass Andere gezielt etwas für das Kind machen. Auf diese Weise bahnen sich in der Lebenswelt des Kindes »erste <em>soziale Verallgemeinerungen &#8230; </em>in Richtung auf die Erfassung des <em>›<strong>verallgemeinerten Anderen</strong>‹ </em>etc. an, wie sie im ›Verallgemeinerten-Gemachtsein-Zu‹ verkörpert sind« (451). Das vergegenständlichte Resultat des intentional Gemachten verselbstständigt sich dabei immer mehr:</p>
<blockquote><p>»Der <em>qualitative Umschlag </em>zur Bedeutungsverallgemeinerung ist dabei als <em>Dominanz-Umschlag </em>dann vollzogen, wenn das <em>›gegenständliche Resultat‹ </em>für die Kind-Erwachsenen-Koordination <em>bestimmend </em>wird, und diese damit die <em>ersten wirklich ›kooperativem </em>Züge gewinnt.« (452)</p></blockquote>
<p>Die <strong>Kooperation</strong> beschränkt sich dabei allerdings noch auf die unmittelbare Lebenswelt der Kind-Erwachsenen-Koordination, während zunehmend klarer wird, dass gesellschaftlich ›gemachte‹ Mittel, die in der Lebenswelt verwendet werden, von irgendwelchen anderen Menschen für bestimmte Gebrauchszwecke ›gemacht‹ wurden. Schrittweise kann nun auch die Beschränkung auf den lautlich-kommunikativen Aspekt der Sprache in dem Maße überwunden werden, wie die im Verallgemeinerten-Gemachtsein-Zu liegenden Vereindeutigungen, Abstraktionen und Verallgemeinerungen (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/7-6-denken-von-handlungszusammenhaengen/">Kap. 7.6</a>) auch in der Lebenswelt des Kindes praktisch erfahren, gedacht und benannt werden können: Der Hammer ist dafür gemacht, Nägel einzuschlagen etc. Das Kind kann dadurch auch zunehmend »bei sich und bei anderen den <em>›richtigen‹, sachgemäßen, ›zweckmäßigen‹ Umgang </em>mit den Gebrauchsdingen von dem <em>›falschem, unsachgemäßen, unzweckmäßigen Umgang unterscheiden</em>« (455).</p>
<p>Mit der Einbeziehung des Kindes in den <strong>unmittelbaren Kooperationsrahmen</strong> verändert sich auch die Bedürfnislage:</p>
<blockquote><p>»Antizipiert wird &#8230; jetzt die Bedürfnisbefriedigung/Lebenserfüllung <em>›mit der Qualität‹ </em>der Eingebettetheit in den kooperativen Unterstützungsrahmen verallgemeinerter Bedingungsverfügung, damit des in seiner verallgemeinerten Bedeutung ›für die anderen‹ Akzeptiertseins und der darin begründeten <em>›menschlichen‹ Qualität </em>der <em>Überwindung der Angst </em>als Isolation vom kooperativen Verfügungsrahmen, d.h. Zurückgeworfenheit auf ›rohe Befriedigung‹« (454)</p></blockquote>
<p>Der unmittelbare Kooperationsrahmen markiert gleichzeitig auch die Grenzen des Entwicklungszuges der Bedeutungsverallgemeinerung. Zwar ist für das Kind prinzipiell denkbar geworden, dass die Dinge von Anderen für bestimmte Gebrauchszwecke gemacht wurden, die realen Herstellprozesse sind jedoch nicht faßbar:</p>
<blockquote><p>»<em>Es </em>kann zwar jetzt <em>verstehen, </em>was <em>gemeint </em>ist, wenn <em>›Gemachtsein-Zu‹ signalisiert </em>wird, ist aber &#8230; im Hinblick auf den <em>Inhalt</em> der als Brauchbarkeiten durchgesetzten Verwendbarkeiten in diesem Punkt dem <em>unfaßbaren ›Mehrwissen‹, </em>damit der <em>›Willkür‹ </em>der Erwachsenen noch nicht entkommen. Der damit bezeichnete Widerspruch verweist auf die <em>Unabgeschlossenheit </em>des Entwicklungszugs der Bedeutungsverallgemeinerung als <em>›entwicklungslogischem‹ Vorläufer des Prozesses der ›Unmittelbarkeitsüberschreitung‹</em> &#8230;« (456f),</p></blockquote>
<p>womit die Widerspruchskonstellation in Richtung auf den nächsten Entwicklungszug benannt ist. Zuvor müssen die bislang entwickelten allgemeinen Dimensionen auf die historisch-besondere und nach <strong>Lebenslage</strong> und <strong>Position</strong> zu differenzierende Situation im <strong>Kapitalismus</strong> hin konkretisiert werden.</p>
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		<title>13.2 Vom sozialen Signallernen zur Sozialintentionalität</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 06:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Individualentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Bedeutung]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Probieren/Beobachten ist der Ausgangspunkt zur Entwicklung des sozialen Signallernens, das widerum die Voraussetzung für die Entwicklung des interpersonalen Sozialintentionalität als erstem Moment der Bedeutungsverallgemeinerung bildet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der erste <strong>Entwicklungszug</strong> in der <strong>Ontogenese</strong> ist die <strong>Bedeutungsverallgemeinerung</strong>, die ihrerseits zwei Entwicklungsmomente umfasst. Nimmt man den Ausgangspunkt der Entwicklung hinzu, so sind im folgenden drei Schritte darzustellen:</p>
<ul>
<li>Ausgangspunkt: <strong>Probieren/Beobachten</strong> und <strong>soziales Signallernen</strong></li>
<li>Intentionalität: <strong>Sachintentionalität</strong> und <strong>Sozialintentionalität</strong> *</li>
<li>Verallgemeinerung: <strong>Verallgemeinertes-Gemachtsein-Zu</strong> und <strong>Kooperativität</strong> (Kap. 13.3)</li>
</ul>
<p>Ausgangspunkt ist die ›angeborene‹ und sich entwickelnde individuelle <strong>Lernfähigkeit</strong>. Dies sind einerseits »<em><strong>subsidiäre Lernprozesse</strong> &#8230;</em>, durch welche die <em>existenzsichernden und sexuellen <strong>Primärbedeutungen/-bedürfnisse</strong> des Kindes </em>modifiziert werden« (430, vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/6-2-sexuelle-bedeutungen-und-beduerfnisse/">Kap. 6.2</a>), die aber für die Individualentwicklung <em>nicht</em> bestimmend sind. Es ist andererseits das Probieren/Beobachten aus dem Bereich <strong>autark gelernter</strong> <strong>Mittelbedeutungen</strong> (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/6-1-von-gelernten-orientierungs-zu-mittelbedeutungen/">Kap. 6.1</a>), das in die »<em>individuell <strong>geplante</strong> Aktivitätsregulation als ›<strong>operative</strong>‹ Untereinheit des <strong>Handelns</strong></em>« (431) übergeht und die weitere Entwicklung bestimmt.</p>
<p>Der treibende Entwicklungswiderspruch ist die Diskrepanz den realen <strong>kooperativen</strong> Möglichkeiten, die in den <strong>gesellschaftlichen Bedeutungsstrukturen</strong> liegen, und der <strong>realabstraktiv</strong> reduzierten naturhaft-individuellen Umwelt des Kindes. Das Kind kann seinen <strong>Bedürfnissen</strong> nach erhöhter »<em>Bedingungsverfügung </em>in Richtung auf <em>Angstreduzierung </em>und <em>Erhöhung der Lebensqualität</em>« (436) nur durch Reduzierung der Diskrepanz mittels eigener ›Entwicklung‹ entsprechen.</p>
<p>Ontogenetisch gewendet ist die »Herausbildung des Probierens/Beobachtens &#8230; weitgehend identisch mit der des <em>›Greifens‹</em> und <em>›Manipulierens‹</em> mit Gegenständen zur <em>operativen Aneignung ihrer Orientierungsbedeutungen</em> in Richtung auf <em>erweiterte sachliche Bedingungsverfügung</em>« (439). Da das Kind noch auf die Pflege und Unterstützung der Erwachsenen angewiesen ist, muss es die Versuche der Bedingungsverfügung auf die Beziehung zu den Erwachsenen ausweiten, um je nach Bedürfnislage Sorgeaktivitäten herbeizuführen:</p>
<blockquote><p>»Das Probieren/Beobachten führt hier also nicht nur zu gelernten ›sachlichen‹, sondern auch zu <em>›gelernten sozialen Orientierungsbedeutungen‹..</em>. Die <em>Folge </em>von gelernten Orientierungsbedeutungen, die auf die Umsetzung bzw. Befriedigung von Primärbedeutungen/-bedürfnissen <em>an deren Ende </em>verweisen, ist hier also quasi um <em>soziale Bedeutungseinheiten </em>erweitert. Mithin handelt es sich auf diesem Niveau noch um das geschilderte <em>individuell-antizipatorische Signallernen am ›Erfolg‹, </em>aufgrund dessen das Kind durch Gesten, Laute, Schreien etc. die Pflege- und Unterstützungsaktivitäten der Erwachsenen provoziert bzw. für deren Aufrechterhaltung sorgt.« (440)</p></blockquote>
<p>Die gelernten sozialen Signale des Kindes sind nun auch für den Erwachsenen Hinweise zur Verbesserung der Sorgeaktivitäten. Doch auf der Stufe des sozialen Signallernens ist die intentionale Beziehungsqualität noch nicht erreicht. Wie kommt es zum Übergang vom bloßen <em>Erfassen</em> sachlicher und sozialer Gegebenheiten als Resultat sozialen Signallernens zum intentionalen <em>Herstellen</em> von sachlich-sozialen Zusammenhängen?</p>
<p>Die Erwachsenen reagieren zwar auf die Signale des Kindes, jedoch nicht wie dieses auf der Ebene des bloßen Signallernens, sondern sie organisieren ihre Sorgeaktivitäten nach eigenen <em>Absichten und Plänen</em>. Das Kind kann mit seinen gelernten Sozialsignalen die intentionale Ebene der Erwachsenen jedoch nicht erreichen:</p>
<blockquote><p>»Die Handlungen der Erwachsenen, ihr Kommen und Gehen, ihre Zu- oder Abwendung, der Inhalt und der Modus ihrer Verrichtungen mit dem Kind sind, da deren Intentionalität noch ›unverstanden‹ bleibt, vom Kind weder hinreichend zu durchschauen noch zu beeinflussen. Sie bilden so gegenüber der für das Kind subjektiv notwendigen sozialen Ausweitung der operativen Bedingungsverfügung ein widerständiges Moment: Die Mittel zur Überwindung der Widerständigkeit sind beim Kind nicht verfügbar, und so muß jede <em>Erfahrung des Verfügungsverlustes über die Pflege- und Unterstützungsaktivitäten </em>der Erwachsenen zu <em>angstbestimmter Verunsicherung </em>führen« (443)</p></blockquote>
<p>Da die Intentionen der Erwachsenen &#8212; zunächst unverstanden &#8212; faktisch erlebt werden und die Erwachsenen dem Kind umkehrt Intentionen unterstellen, wo anfangs noch gar keine sein können, wird es für das Kind schrittweise möglich, das Signallernen auch auf die intentionalen Signale auszudehnen. Ist die Ebene der interpersonalen Intentionalität einmal erreicht, kann das Kind dann auch sachbezogene Intentionen ausdrücken &#8212; lange vor der Möglichkeit sprachlicher Kommunikation.</p>
<p>Damit ist die Sozialintentionalität als erstes Moment im Entwicklungszug der Bedeutungsverallgemeinerung entwickelt. Das zweite Moment der Kooperativität und Erfassung der Allgemeinheit der <strong>Bedeutungen</strong> wird im nächsten Kapitel dargestellt.</p>
<hr />
<p>* Die Herausbildung der Intentionalität ist entwicklungslogische Voraussetzung für den <strong>Dominanzwechsel</strong> zur Bedeutungsverallgemeinerung und wird daher in der <strong>GdP</strong> als »ontogenetischer Vorlauf« (429) bzw. »entwicklungslogische Zwischensequenz« (437) getrennt diskutiert.</p>
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