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	<title>... die »Grundlegung« lesen!</title>
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	<description>Eine Einführung in das Standardwerk von Klaus Holzkamp</description>
	<lastBuildDate>Mon, 26 Mar 2012 07:53:39 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Abschluss: Weiterstudieren!</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 05:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abschluss]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit Literaturtipps zum weiteren Studium der Kritischen Psychologie endet die Online-Einführung in die »Grundlegung der Psychologie« von Klaus Holzkamp. Vielen Dank an alle Leserinnen und Leser für die geduldige Aufmerksamkeit mit 82 Artikeln, die hoffentlich einen u.U. erleichterten Zugang zu dem Grundlagenwerk ermöglicht haben. -- Stefan Meretz]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Online-Einführung in die <em>Grundlegung der Psychologie</em> (GdP) von Klaus Holzkamp ist abgeschlossen. In 82 Artikeln wurde das komplette Buch »durchgenommen«. Ich hoffe, dass es dem einen oder der anderen geholfen hat, sich die Inhalte des Orginals leichter zu erschließen. Denn eines kann die <em>Einführung</em> nicht: das Studium der GdP ersetzen.</p>
<p>Im folgenden gebe ich einige kommentierte Empfehlungen zum weiteren oder vertieften Studium der Kritischen Psychologie. Darunter befinden sich Monographien und Artikel wie auch Audio- und Video-Material. Wer etwas dringend vermisst, kann weitere Vorschläge in einem Kommentar unterhalb des Artikels notieren.</p>
<h3>Einstieg in die Kritische Psychologie</h3>
<p>Holzkamp, K. (1984), <a href="http://www.kritische-psychologie.de/texte/kh1984b.html">»Die Menschen sitzen nicht im Kapitalismus wie in einem Käfig«</a>, Interview, In: PSYCHOLOGIE HEUTE, 11/84, Weinheim: Beltz, 29-37 &#8212; sehr einfach gehaltene Sprache, leichter oberflächlicher Einstieg.</p>
<p>Holzkamp, K. (1985), <a href="http://www.kritische-psychologie.de/texte/kh1985a.html">Grundkonzepte der Kritischen Psychologie</a>. In: Diesterweg-Hochschule (Hrsg. 1985), Gestaltpädagogik &#8212; Fortschritt oder Sackgasse, Berlin: GEW Berlin, S. 31-38. Reprint in: AG Gewerkschaftliche Schulung und Lehrerfortbildung (Hrsg., 1987), Wi(e)der die Anpassung. Texte der Kritischen Psychologie zu Schule und Erziehung, Verlag-Schulze-Soltau, S. 13-19 &#8212; guter, recht allgemeiner Überblick über die Grundkonzepte.</p>
<p>Holzkamp, K. (1983), <a href="http://www.kritische-psychologie.de/texte/kh1983a.html">Der Mensch als Subjekt wissenschaftlicher Methodik</a>. Vortrag, gehalten auf der 1. Internationalen Ferienuniversität Kritische Psychologie vom 7.-12. März 1983 in Graz &#8212; Transkription  eines Live-Mitschnitts, lebendige Erzählweise, Überblick über die Inhalte der GdP, schon anspruchsvoller.</p>
<p>Holzkamp, K. (1985), <a href="http://www.youtube.com/playlist?list=PLC52C7EFBC6FDE51E">Kritische Psychologie</a>. Vortrag, gehalten auf der 3. Internationalen Ferienuniversität Kritische Psychologie in Fulda &#8212; digitalisierter Video-Mitschnitt eines Vortrags, sehr verständlich, Überblick über die Thematik der GdP, recht lang (13 Teile).</p>
<p>Autor_innen-Gruppe (2011), <a href="http://www.kritische-psychologie.de/contraste/">Kritische Psychologie als emanzipatorische Subjektwissenschaft</a>, fünf Artikel zur Einführung in die Kritische Psychologie, erschienen in der März-Nummer 318 der »CONTRASTE – Monatszeitung für Selbstorganisation« &#8212; kurze Artikel, guter Überblick, einfache Sprache.</p>
<p>Markard, M. (2000), Die Entwicklung der Kritischen Psychologie zur Subjektwissenschaft. Theoretische und methodische Fragen, in: SonderPiranha, Kampagne fuer die Kritische Psychologie, S. 29-35 (<a href="http://www.kritische-psychologie.de/texte/sp/mm_entw_kripsy_sw.pdf">PDF</a>) &#8212; guter, verständlicher geschichtlicher Einstieg mit folgendem Überblick über zentrale Fragestellungen der Kritischen Psychologie.</p>
<p>Markard, M. (2009), Einführung in die Kritische Psychologie, Hamburg: Argument &#8212; umfassende Einführung in die Entstehung und wesentlichen Inhalte der Kritischen Psychologie (u.a. die GdP), relativ voraussetzungsvoll geschrieben, vorausgehende Überblickskenntnisse sind sinnvoll. Vgl. auch diese <a href="http://www.socialnet.de/rezensionen/8121.php">Rezension</a>.</p>
<p>Markard, M. (2008), <a href="http://www.youtube.com/playlist?list=PL7E1814226F08D434" rel="nofollow">Was ist so kritisch an (Kritischer) Psychologie?</a> Vortrag an der Uni Trier &#8212; Vortrag über den Zusammenhang von Wissenschaftskritik und Gesellschaftskritik, recht anspruchsvoll und lang (13 Teile).</p>
<h3>Methodik, Praxis, Forschung</h3>
<p>Markard, M. (2000), <a href="http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/1088/2381">Kritische Psychologie: Methodik vom Standpunkt des Subjekts</a>, in: Forum Qualitative Sozialforschung 1(2) &#8212; Einführung in wesentliche kategoriale Grundlagen aktualempirischer Forschung, Vorstellung der Entwicklungsfigur. Ähnlich, aktueller und etwas ausführlicher der Artikel »Forschung vom Standpuntk des Subjekts« von 2010 im Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie (<a href="http://www.kp-trier.de/uploads/Kritische_Psychologie.pdf">PDF</a>).</p>
<p>Katrin Reimer (2008), Wie Methoden die Verhältnisse zum Tanzen bringen können &#8230; Eine Einführung in die Kritische Psychologie als eingreifende Forschungstätigkeit, in: Freikamp, U. et al. (Hrsg.), <a href="http://www.rosalux.de/publication/25868/kritik-mit-methode.html">Kritik mit Methode? Forschungsmethoden und Gesellschaftskritik, Texte der RLS Bd. 42</a> (<a href="http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Publ-Texte/Texte-42.pdf">PDF</a>), S. 195-214 &#8212; Vorstellung der Entwicklungsfigur am Beispiel eines Projekts zur Ausprägung von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Berlin und Brandenburg.</p>
<p>Held, J. (2010), <a href="http://www.youtube.com/playlist?list=PL7E2FAD6621CD25F3">Subjektwissenschaftliche Forschung &#8212; mitforschen statt beforschen</a>. Vortrag an der Uni Trier &#8212; Vorstellung des Ansatzes der Tübinger Jugendforschungsgruppe an zahlreichen Praxis-Beispielen, gut nachzuvollziehen, sehr lang (14 Teile)</p>
<h3>Lernen, Erziehungskritik</h3>
<p>Holzkamp, K. (1993), Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung, Frankfurt/M.: Campus &#8212; das »Lernbuch« von Klaus Holzkamp als Anwendung subjektwissenschaftlicher Kritik und Reinterpretation auf den Gegenstand des Lernens.</p>
<p>Holzkamp, K. (1991), <a href="http://www.kritische-psychologie.de/texte/kh1991a.html">Lehren als Lernbehinderung?</a> In: Forum Kritische Psychologie 27, Hamburg: Argument, S. 5-22 &#8212; Einstieg und Übersicht über das Lern-Thema, das dann im »Lernbuch« systematisch dargestellt wurde.</p>
<p>Holzkamp, K. (1996), Wider den Lehr-Lern-Kurzschluß. Interview zum Thema »Lernen«, in: Arnold, R. (Hrsg.), Lebendiges Lernen, Hohengehren: Schneider, S. 29-38 (<a href="http://www.ph-heidelberg.de/org/suschu/ex.auszug.holzkamp.pdf">PDF</a>), auch erschienen in: Faulstich, P., Ludwig, J. (2004), Expansives Lernen, Grundlagen der Berufs- und Erwachsenenbildung Bd. 39, Hohengehren: Schneider &#8212; Lebendiges Interview zu einer zentralen Kritikfigur im  »Lernbuch«, dem Lehrlern-Kurzschluss.</p>
<p>Markard, M. (2003), <a href="http://www.gegenentwurf-muenchen.de/mormar.htm">We don&#8217;t need no education! Kann man zur Freiheit erzogen werden?</a> Vortrag bei Verein &#8220;Gegenentwurf &#8211; für eine solidarische Gesellschaft e.V.&#8221;, München, 21.07. 2003 &#8212; Vortrag zur Erziehungskritik.</p>
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		<title>14.7 Grundlagenforschung</title>
		<link>http://grundlegung.de/artikel/14-7-grundlagenforschung/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Mar 2012 06:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[14. Forschung und Mitforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Aktualempirie]]></category>
		<category><![CDATA[Aussonderung/Identifizierung]]></category>
		<category><![CDATA[Bedeutungsstruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Bedürfnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Denken]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesellschaftliche Natur des Menschen]]></category>
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		<category><![CDATA[Vergesellschaftung]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

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		<description><![CDATA[Kann es so etwas wie subjektwissenschaftliche Grundlagenforschung geben, und wie verhielte sich diese zum Standpunkt erster Person? Im langen Gang durch die historisch-empirische Kategorialanalyse konnten auch immer wieder unterschiedliche Ebenen des Mensch-Welt-Verhältnisses aufgezeigt werden, die eine Eigenevolution durchliefen. Systematisch gruppiert lassen sich in der GdP vier solcher Ebenen identifizieren: Spezifisch-menschliche Prozesse/Dimensionen, die die gesellschaftliche Natur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kann es so etwas wie subjektwissenschaftliche Grundlagenforschung geben, und wie verhielte sich diese zum <strong>Standpunkt erster Person</strong>? Im langen Gang durch die <strong>historisch-empirische</strong> <strong>Kategorialanalyse</strong> konnten auch immer wieder unterschiedliche Ebenen des <strong>Mensch-Welt-Verhältnisses</strong> aufgezeigt werden, die eine Eigenevolution durchliefen. Systematisch gruppiert lassen sich in der <strong>GdP</strong> vier solcher Ebenen identifizieren:</p>
<ol>
<li>Spezifisch-menschliche Prozesse/Dimensionen, die die <strong>gesellschaftliche Natur des Menschen</strong> bestimmen: Hier geht es um die zentrale Vermittlungskategorie der <strong>Handlungsfähigkeit</strong> einschließlich der <strong>Bedeutungs</strong>- und <strong>Bedürfnis</strong>verhältnisse sowie um <strong>Wahrnehmung</strong>, <strong>Denken</strong>, <strong>Emotionalität</strong> und <strong>Motivation</strong> entsprechend der gegebenen <strong>Lebenslage</strong> und <strong>Position</strong> im Verhältnis von Möglichkeiten und Einschränkungen (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/14-6-moeglichkeitsverallgemeinerung/">Kap. 14.6</a>).</li>
<li>Spezifisch-menschliche Prozesse/Dimensionen, die <em>nicht</em> die gesellschaftliche Natur des Menschen bestimmen: Dazu gehören etwa <strong>Primärbedürfnisse</strong> wie die Sexualität, die nicht selbstständiger Aspekt der individuellen <strong>Vergesellschaftung</strong> sind, sondern mitvergesellschaftet und somit gesellschaftlich geformt werden.</li>
<li>Unspezifisch-menschliche Basisprozesse: Dazu gehören die <strong>Perzeptions-Operations-Koordination</strong>, <strong>subsidiäre Lernformen</strong>, elementare Ebenen der <strong>Perzeption</strong> (<strong>Aussonderung/Identifizierung</strong>, <strong>Gradientenorientierung</strong>) usw.</li>
<li>Unspezifisch-physiologische Basisprozesse: Hier geht es schließlich um basale Körperprozesse der Mikroebene, die aus ihrem übergeordneten funktionalen Kontext isoliert wurden (etwa Mikroprozesse auf der Ebene von Gehirn, Nerven oder Sinnesorganen).</li>
</ol>
<p>Vor jeder <strong>aktualempirischen</strong> Forschung wäre also jeweils <strong>kategorial</strong> zu klären, um welche Ebene es eigentlich geht oder gehen soll und welche inhaltlichen Aussagen überhaupt zu erreichen sind ohne durch Universalisierungen unzulässige Ebenenüberschreitungen vorzunehmen. Gleichzeitig sind die identifizierten Unterschiede nicht als <em>Trennungen</em> auszulegen, sondern die Einheit des handlungsfähigen Menschen und damit die Verbundenheit der Ebenen muss erhalten bleiben.</p>
<p>Holzkamp hebt hervor, dass sich mit dem ›Ebenenabstieg‹ die Aufgabenstellung der universalistischen Konzeption der traditionellen Psychologie (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/14-2-traditionelle-psychologie/">Kap. 14.2</a>) annähert:</p>
<blockquote><p>»Je <em>unspezifischer </em>die jeweilige kategoriale Ebene, innerhalb derer die Fragestellung für die aktualempirische Grundlagenforschung angesiedelt ist, umso weitergehend kann dabei von Spezifika des gesellschaftlichen Mensch-Welt-Bezugs <em>abstrahiert </em>werden, umso weitergehend nähern sich die an den Bedeutungskonstellationen zu berücksichtigenden Aspekte also den allgemeinen Zügen der Bedeutungen an, die die Menschen mit anderen Lebewesen gemeinsam haben: nämlich solchen einer <em>bloß natürlichen, individuellen ›Umwelt‹.</em>« (578)</p></blockquote>
<p>Da auf den nicht bestimmenden und unspezifischen Ebenen 2 bis 4 von der <strong>gesamtgesellschaftlichen Vermitteltheit</strong> abstrahiert wird, kann hier vom Einzelfall »<em>direkt auf die ganze ›Gattung‹</em>, d.h. auf die <em>allgemeinsten Kennzeichen des psychischen Aspekts gesellschaftlich-›menschlicher‹ Existenz überhaupt, verallgemeinert werden</em>« (578f). Daraus folgt dann allerdings auch:</p>
<blockquote><p>»Sofern die Hypothese inhaltlich ›stark‹ genug ist, muß sich ihre Bestätigung nämlich auch hier mit ›bloßem Auge‹ feststellen lassen; so ist, wenn zwei Verteilungen sich nicht überlappen, eine statistische Unterschiedsprüfung überflüssig. Die Notwendigkeit der Anwendung von Statistik signalisiert also generell einen <em>radikal revisionsbedürftigen Stand der Theorienbildung</em>« (582)</p></blockquote>
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		<title>14.6 Möglichkeitsverallgemeinerung</title>
		<link>http://grundlegung.de/artikel/14-6-moeglichkeitsverallgemeinerung/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Mar 2012 06:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[14. Forschung und Mitforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Bedeutungsanalyse]]></category>
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		<category><![CDATA[Restriktive Emotionalität]]></category>
		<category><![CDATA[Subjektiver Möglichkeitsraum]]></category>
		<category><![CDATA[Typischer Möglichkeitsraum]]></category>
		<category><![CDATA[Verallgemeinerbare Emotionalität]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Möglichkeitsverallgemeinerung verallgemeinert das jeweils eigene Verhältnis von Möglichkeiten und Behinderungen im individuellen Möglichkeitsraum zu einem Möglichkeitstyp, der in kontrolliert-exemplarischer Praxis überprüft wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Welche Art von Verallgemeinerung ist nun im metasubjektiven Verständigungsrahmen (<a href="http://grundlegung.de/artikel/14-5-metasubjektiver-verstaendigungsrahmen">Kap. 14.5</a>) möglich? Wie ist das geforderte Niveau wissenschaftlicher <strong>Metasubjektivität</strong> erreichbar? Zunächst einmal ist klar, dass »<em>kein einziger Mensch in irgendeiner Hinsicht</em> aufgrund der Unterscheidung von zentralen Tendenzen und Streuungen als <em>Ausnahme von irgendetwas zu</em> definieren« (547) sein kann, sondern »›<em>je ich‹ </em>in subjektwissenschaftlicher Forschung <em>unreduziert erhalten bleiben muß</em>« (ebd.).</p>
<p>Ausgangs- und Bezugspunkt ist Lebenspraxis und das sich darin konkretisierende Verhältnis von <strong>Handlungsmöglichkeiten</strong> und -behinderungen mit der Perspektive der Erweiterung der Verfügung über die eigenen Bedingungen. Metasubjektivität wird dann erreicht, wenn zwischen Forschenden und Mitforschenden eine Verständigung &#8212; »quasi <em>von Möglichkeitsraum zu Möglichkeitsraum</em>« (548) &#8212; über Verfügungsmöglichkeiten und -behinderungen stattfindet. Die <strong>subjektiven Möglichkeitsräume</strong> stehen dabei nicht unbezogen nebeneinander, sondern sind unterschiedliche Ausschnitte gesellschaftlicher Handlungsmöglichkeiten.</p>
<div id="attachment_1547" class="wp-caption alignright" style="width: 490px"><a href="http://grundlegung.de/data/moeglichkeitsverallgemeinerung-gross.gif"><img class="size-full wp-image-1547 " title="Möglichkeitsverallgemeinerung" src="http://grundlegung.de/data/moeglichkeitsverallgemeinerung.gif" alt="" width="480" height="301" /></a><p class="wp-caption-text">Abb. 34: Möglichkeitsverallgemeinerung als asymptotische Annäherung eines Einzelfalls an einen Möglichkeitstyp (typischer Fall).</p></div>
<p>Die <strong>Möglichkeitsverallgemeinerung</strong> besteht nun darin, die eigenen Handlungsmöglichkeiten als Fall von typischen Handlungsmöglichkeiten zu erkennen. Der damit als Hypothesen formulierbare <strong>typische Möglichkeitsraum</strong> (Abk. <strong>Möglichkeitstyp</strong>, vgl. Abb. 34) verallgemeinert das jeweils eigene Verhältnis von Möglichkeiten und Behinderungen im individuellen Möglichkeitsraum. Damit wird hypothetisch erschließbar, welche Möglichkeiten erweiterter Bedingungsverfügung prinzipiell erreichbar sind. Holzkamp:</p>
<blockquote><p>»›Verallgemeinern‹ bedeutet hier also nicht Wegabstrahieren, sondern <em>Begreifen </em>von Unterschieden als verschiedene Erscheinungsformen des <em>gleichen Verhältnisses.</em>« (549)</p></blockquote>
<p>Das Vorgehen bei der theoretischen Verallgemeinerung kann in drei Schritten gegliedert werden:</p>
<ol>
<li><strong>Bedeutungsanalyse</strong>: Erfassung der typischen Züge der konkreten Bedeutungsverhältnisse des interessierenden Forschungsfeldes entsprechend der identifizierten <strong>Lebenslage</strong> und/oder <strong>Position</strong> und der darin enthaltenen typischen Handlungsmöglichkeiten und -einschränkungen.</li>
<li><strong>Begründungsanalyse</strong>: Herausarbeitung typischer <strong>subjektiver Handlungsgründe</strong> angesichts der auf Basis der typischen Handlungsmöglichkeiten und -einschränkungen ausgegliederbaren <strong>Prämissen</strong>. Hier geht es darum, wie »die <em>Alternative verallgemeinerter vs. restriktiver Handlungsfähigkeit </em>im ›typischen Möglichkeitsraum‹ hinsichtlich der <em>Dimensionen und der Reichweite der ›zweiten Möglichkeit‹ der Verfügungserweiterung </em>konkret zu bestimmen ist« (552)</li>
<li><strong>Funktionsanalyse</strong>: Konkretisierung in Bezug auf die <strong>psychischen</strong> Dimensionen, was von der Problemstellung abhängig ist. Holzkamp nennt beispielhaft: »›Typische‹ Möglichkeiten/Restriktionen der Herausbildung ›menschlicher‹ <strong>Bedürfnis</strong>verhältnisse, ›typische‹ Formen der ›<strong>Instrumentalisierung</strong>‹ sozialer Beziehungen und deren ›<strong>intersubjektiver</strong>‹ Überwindbarkeit, ›typische‹ Formen des ›Nahegelegtseins‹ <strong>deutenden</strong> <em>Denkens </em>und dessen ›<strong>begreifender</strong>‹ Durchdringbarkeit, ›typische‹ Gefahren der ›Verinnerlichung‹ und Handlungsabkoppelung der <strong>Emotionalität</strong> und Möglichkeiten von deren Überwindung in ›<strong>verallgemeinerter Emotionalität</strong>‹, ›typische‹ Formen der Mystifikation von ›<strong>innerem Zwang</strong>‹ als ›<strong>Motivation</strong>‹ und deren Überschreitbarkeit in Richtung auf wirklich motiviertes <strong>Handeln</strong>« (552f)</li>
</ol>
<p>Ob die theoretischen Verallgemeinerungen tragfähig sind oder nicht, kann sich nur in der Praxis erweisen. Im Forschungsprozess wird die Geltung und erreichte Qualität der Verallgemeinerung in einer kontrolliert-exemplarischen Praxis überprüft:</p>
<blockquote><p>»Nur im wirklichen, praktischen Versuch der Möglichkeitsrealisierung können nämlich deren je <em>realhistorisch gegebenen objektiven und psychischen Besonderungen und Beschränkungen an der widerständigen Realität empirisch erfahrbar </em>werden, was gleichbedeutend ist mit der ›metasubjektiven‹ Diskutierbarkeit der speziellen Mittel, die hier zur Überwindung der Realisierungsbehinderungen etc. erfordert sind, und der Umsetzung in neue Änderungshypothesen als Anleitung des nächsten praktischen Schrittes versuchter Verfügungserweiterung etc.« (562)</p></blockquote>
<p>Ein Beispiel für die Umsetzung eines solchen kreisförmigen, asymptotischen Annäherungsprozesses ist die im Projekt <em>Subjektentwicklung in der frühen Kindheit</em> formulierte <em>Entwicklungsfigur</em>. Ist nun ein solcher Annäherungsprozess relativ abgeschlossen, so wird damit angenommen, dass der erreichte Möglichkeitstyp</p>
<blockquote><p>»nicht nur auf die subjektiven Möglichkeitsräume der in den Forschungsprozeß <em>einbezogenen und an der Ausarbeitung beteiligten </em>Betroffenen, sondern auf <em>alle Betroffenen </em>verallgemeinerbar ist, d. h., daß auch <em>jedes andere </em>Individuum unter den ausgegliederten realhistorischen Lebensbedingungen/Bedeutungskonstellationen (&#8230;) seinen subjektiven Möglichkeitsraum als einen ›Fall‹ des ›typischen Möglichkeitsraums‹ durchdringen und so die entsprechenden Selbstklärungen mit ihren praktischen Konsequenzen erreichen <em>könnte.</em>« (555f)</p></blockquote>
<p>Die Grenze der Verallgemeinerung ist dort erreicht, wo die »Möglichkeiten der Erweiterung der Verfügung über gesellschaftliche Lebensbedingungen <em>innerhalb </em>des jeweils besonderen Möglichkeitstyps <em>nicht </em>mehr bestehen, sondern seine Überschreitung in manifest <em>gesamt</em>gesellschaftlich orientierter Praxis erfordern würden« (562).</p>
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		<title>14.5 Metasubjektiver Verständigungsrahmen</title>
		<link>http://grundlegung.de/artikel/14-5-metasubjektiver-verstaendigungsrahmen/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 06:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[14. Forschung und Mitforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Aktualempirie]]></category>
		<category><![CDATA[Bedeutung]]></category>
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		<category><![CDATA[Gegenstandsadäquatheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftliche Bedeutungsstrukturen]]></category>
		<category><![CDATA[Gründe]]></category>
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		<category><![CDATA[Individuum]]></category>
		<category><![CDATA[Intersubjektivität]]></category>
		<category><![CDATA[Kategorie]]></category>
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		<category><![CDATA[Position]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstverständigung]]></category>
		<category><![CDATA[Subjektive Handlungsgründe]]></category>
		<category><![CDATA[Vermittlungsbegriff]]></category>

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		<description><![CDATA[Metasubjektivität wird durch jene intersubjektive Beziehung zwischen Forschenden und Mitforschenden hergestellt, die Verständigung und Selbstverständigung ermöglicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie kann Objektivität und damit Verallgemeinerbarkeit <strong>aktualempirisch</strong> erreicht werden? Zunächst fordert Holzkamp:</p>
<blockquote><p>»Das Niveau des <em>›intersubjektivem Verständigungsrahmens </em>aufgrund der kategorialanalytisch herausgearbeiteten <em>verallgemeinerten Verständlichkeit subjektiv funktionaler Handlungsgründe im Medium von Bedeutungszusammenhängen &#8230;</em> darf in der Beziehung zwischen Forscher und Betroffenen <em>niemals unterschritten </em>werden.« (541)</p></blockquote>
<div id="attachment_1535" class="wp-caption alignright" style="width: 490px"><a href="http://grundlegung.de/data/subjekt-objekt-vermittlung-gross.gif"><img class="size-full wp-image-1535" title="Subjekt-Objekt-Vermittlung" src="http://grundlegung.de/data/subjekt-objekt-vermittlung.gif" alt="" width="480" height="271" /></a><p class="wp-caption-text">Abb. 33: Das Verhältnis von Bedingungen (dunkelgrau) und Subjektivität (hellgrau) in variablen-, subjektivistisch- und kritisch-psychologischen Ansätzen (v.l.n.r).</p></div>
<p>In dieser Forderung wird mit den <strong>Prämissen</strong> eine wichtige Kategorie nicht genannt, deren zentrale Stellung erst in den Nach-<strong>GdP</strong>-Texten richtig deutlich werden wird. Während sich die <strong>Bedeutungszusammenhänge</strong> auf Welt beziehen, sind die <strong>Handlungsgründe</strong> stets die des <strong>Individuums</strong>. Diese werden dann <strong>intersubjektiv</strong> verständlich, wenn die Prämissen, also jene Aspekte der <strong>Bedeutungen</strong> in der gegebenen <strong>Lebenslage</strong> und <strong>Position</strong>, die <em>je ich</em> zur Grundlage meines <strong>Handelns</strong> mache, aufgeklärt werden (vgl. Abb. 33). Prämissen sind also weder durch die Bedingungen/Bedeutungen determiniert, noch bloß subjektiv-willkürlich erzeugt, sondern sie bilden das zentrale <strong>Vermittlungsglied</strong> zwischen je mir, meinen <strong>Gründen</strong> und den für mich relevanten Bedeutungen in meiner Lebenswelt (vgl. dazu auch <a href="http://grundlegung.de/artikel/11-2-selbstverstaendigung-und-praemissen/">Kap. 11.2</a>).</p>
<p>Die Relevanz des Vermittlungszusammenhangs wird deutlich, wenn man sich die Vereinseitigungen in traditionellen Ansätzen klar macht. Im variablenpsychologischen Zugang wird das Individuum als bloß unter Bedingungen stehend betrachtet. Seine Subjektivität wird durch die experimentell-statistischen Verfahren eliminiert (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/14-2-traditionelle-psychologie">Kap. 14.2</a>). Subjektivistische Zugänge hingegen isolieren die Seite der Bedingungen und verlagern die Bedeutungsstiftung und mit ihr verbundene psychodynamische Problematiken in das Individuum. Mischformen und das Pendeln zwischen beiden Positionen sind leicht vorstellbar, denn beiden liegt »die gleiche Ausgrenzung der gesellschaftlich-individuellen <em>Wirklichkeit </em>des Subjekts als Schöpfer der materiellen Lebensbedingungen, unter denen es existiert, zugrunde« (536).</p>
<p>Holzkamp bezeichnet die zu erreichende Objektivierung im intersubjektiven Forschungsprozess als »Niveau <em>wissenschaftlicher ›Metasubjektivität‹, </em>die die <em>intersubjektive Beziehung zwischen Forscher und Betroffenem einschließt und übersteigt</em>« (541). Mit <strong>Metasubjektivität</strong> meint Holzkamp jenen Raum, in dem individuelle und kollektive <strong>Selbstverständigung</strong> möglich ist. Dieser Raum muss aktiv hergestellt werden. Dazu dienen die kritisch-psychologischen <strong>Kategorien</strong>. Jede gelungene (Selbst-) Verständigung ist gleichzeitig Herstellung wissenschaftlicher Objektivität und Verallgemeinerung. Dies gilt zunächst für den Forschenden selbst:</p>
<blockquote><p>»Die Kategorien haben sich also zu allererst als <em>Mittel der Selbstklärung der Befindlichkeit des Forschenden </em>innerhalb des gesellschaftlichen Lebenszusammenhangs im Sinne <em>erweiterter Bedingungsverfügung und Daseinserfüllung zu ›bewähren‹: </em>Andernfalls kann und wird er sie nicht zur Grundlage seiner subjektwissenschaftlichen Forschungsaktivitäten nehmen.« (541f)</p></blockquote>
<p>Dann sind es die Betroffenen, die</p>
<blockquote><p>»selbst auch ihre <em>subjektive Befindlichkeit in Aneignung der subjektwissenschaftlichen Kategorien durchdringen </em>und so auf die Ebene <em>metasubjektiver Verallgemeinerbarkeit </em>bringen: Dadurch werden, indem hier die <em>Differenz zwischen Wissenschaftssubjekt und betroffenen Subjekten partiell aufgehoben </em>ist, die Betroffenen zu <em>realen Kommunikationspartnern des Forschers auf dem Niveau des metasubjektiv-wissenschaftlich qualifizierten intersubjektiven Verständigungsrahmens</em>« (543)</p></blockquote>
<p>Die Betroffenen werden so zu Mitforschenden und die »zu konzipierenden aktualempirischen Methoden zu <em>Methoden in der Hand der Betroffenen</em>« (ebd.). Das Mitforschendenkonzept ergibt sich notwendig aus dem Kriterium der <strong>Gegenstandsadäquatheit</strong> der Methoden (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/14-3-gegenstandsadaequatheit">Kap. 14.3.</a>), wonach die »Kategorien, Theorien, Methoden &#8230; nicht Theorien und Methoden etc. <em>über </em>die Betroffenen, sondern <em>für </em>die Betroffenen« (544) sein müssen.</p>
<p>Dies wiederum schließt ein, dass das zu untersuchende Problem nicht vom Forschenden dem Mitforschenden aufgegeben wird, sondern ein eigenes Problem des Mitforschenden ist, so dass beide »›<em>von Subjekt zu Subjekt‹ </em>unter den Vorzeichen des <em>gemeinsamen Erkenntnisinteresses </em>an der Klärung des Problems« (545) mitwirken können. Welche konkreten Methoden dabei dann tatsächlich genutzt werden, ist Bestandteil des aktualempirischen Forschungsprozesses.</p>
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		<title>14.4 Kritik, Reinterpretation, Weiterentwicklung</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Feb 2012 06:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[14. Forschung und Mitforschung]]></category>
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		<description><![CDATA[Die kritisch-psychologischen Kategorien sind ein Mittel, um den inhaltlichen Gehalt sowohl von wissenschaftlichen wie alltäglichen Vorbegriffen analysieren und ggf. reformulieren zu können. Kritik, Reinterpretation und Weiterentwicklung sind die drei Schritte, die Holzkamp dazu vorschlägt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die kritisch-psychologischen <strong>Kategorien</strong> sind ein Mittel, um den inhaltlichen Gehalt sowohl von wissenschaftlichen wie alltäglichen <strong>Vorbegriffen</strong> analysieren und ggf. reformulieren zu können. Es geht also darum, den meist verdeckten <strong>Kategorialbezug</strong> von (Alltags-) <strong>Theorien</strong> und Konzepten aufzuklären (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/14-3-gegenstandsadaequatheit">Kap. 14.3</a>). Holzkamp schlägt für diesen Prozess drei Schritte vor.</p>
<ol>
<li>Kategoriale Kritik: Hier geht es um eine Bestimmung des Stellenwerts und der Geltung der Vorbegriffe. Dabei können »mannigfache <em>Verkürzungen, Vereinseitigungen, Reduzierungen, Mystifikationen</em> des Kategorialbezugs der Vorbegriffe &#8230;[sowie] <em>Diskrepanzen</em> und <em>Widersprüche</em> zwischen dem, was in den darin gegründeten einzeltheoretisch-aktualempirischen Forschungen <em>vorgeblich</em>, und dem, was <em>tatsächlich</em> untersucht wird, zutagetreten« (518)</li>
<li>Kategoriale Reinterpretation: In Erweiterung des ersten Schritts geht es um die Aufhebung der Diskrepanz zwischen dem beanspruchten und dem tatsächlichen Erkenntniswert der Vorbegriffe durch ihre Reformulierung &#8212; sofern dies möglich ist, also »der psychologische Gegenstand lediglich verkürzt, vereinseitigt, mystifiziert etc. erfaßt, <em>nicht aber total verfehlt </em>wird« (ebd.). Holzkamp hebt hervor: »Eine besonders wichtige Reinterpretations-Figur &#8230; ist die Zurückweisung des ›allgemeinmenschlichen‹ Universalitäts-Anspruchs von Konzepten/Fragestellungen/Resultaten durch Herausarbeitung des Umstands, daß in ihnen tatsächlich Verkürzungen und Mystifizierungen menschlicher Befindlichkeit/Handlungsfähigkeit unter bürgerlichen Klassenverhältnissen blind als allgemeinmenschlich reproduziert werden« (519)</li>
<li>Konzeptionelle Weiterentwicklung: Sofern möglich, können in Vorbegriffen formulierte Konzepte auch neu konstruiert werden, um »die jeweiligen wissenschaftlich, lebenspraktisch, berufspraktisch, politisch relevanten Fragestellungen so zu fassen, daß darin das <em>Verhältnis der möglichen Forschungsresultate</em> zu den <em>Bestimmungen personaler Handlungsfähigkeit</em> &#8230; <em>gegenstandsgerecht </em>reflektiert und so der Stellenwert und die Tragweite der Forschungen präzise wissenschaftlich ausweisbar ist« (ebd.)</li>
</ol>
<p>Kritik, Reinterpretation und Weiterentwicklung psychologischer Theorien und <strong>Methoden</strong> stehen in einem engen Zusammenhang. Dabei ist die <strong>Gegenstandsadäquatheit</strong> das zentrale <strong>methodologische</strong> Kriterium (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/14-3-gegenstandsadaequatheit">Kap. 14.3</a>). Diese Forderung betrifft auch die Frage der Objektivierung als Nachweis der Geltung und Verallgemeinerbarkeit der gewonnenen <strong>Erkenntnisse</strong>. Wenn dies im wesentlichen nicht auf experimentell-statischem Wege erreicht werden kann ohne die <strong>Subjektivität</strong> verfahrenstechnisch auszuschließen (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/14-2-traditionelle-psychologie/">Kap. 14.2</a>), wie dann? Anders gefragt: Wie kann Subjektivität objektiviert werden?</p>
<p>Vollständig auf Objektivierung zu verzichten weist Holzkamp als spiegelverkehrte Verkürzung zurück. Auf diese Weise werde zwar nicht versucht, »das ›Subjektive‹ als wissenschaftlich ununtersuchbar zu eliminieren (bzw. zu ›irrealisieren‹), sondern umgekehrt [wird] aus der wissenschaftlichen Ununtersuchbarkeit des Subjekts die Konsequenz gezogen, daß man es eben <em>ohne</em> den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit &#8230; analysieren müsse« (535). Die Entgegensetzung von Subjektivität und Objektivität beruhe auf »Gleichsetzung der Subjekthaftigkeit menschlicher Befindlichkeit überhaupt mit deren bürgerlich-ideologischer Form der scheinhaften Innerlichkeit und Icheingeschlossenheit meiner subjektiven Erfahrungen« (538).</p>
<p>Mit der kritisch-psychologischen Kategorie der <strong>gesamtgesellschaftlichen Vermitteltheit</strong> der individuellen Existenz wird hingegen das Verhältnis von objektiven Bedingungen und subjektiven <strong>Handlungsmöglichkeiten</strong> unter diesen Bedingungen, an deren Herstellung das Individuum beteiligt ist, gefasst. Der subjektive Möglichkeitsraum umfasst sowohl die Handlungsmöglichkeiten wie -beschränkungen, zu denen je ich mich <strong>bewusst verhalten</strong> kann:</p>
<blockquote><p>»Der ›Standpunkt des Subjekts‹ schließt also die Berücksichtigung objektiver Bedingungen keineswegs aus, sondern ein: Ausgeschlossen ist damit lediglich die Verkürzung meines Realitätsbezugs auf meine ›Bedingtheit‹ unter Absehung von meiner Verfügungsmöglichkeit.« (539)</p></blockquote>
<p>Wie der <strong>Standpunkt erster Person</strong> in der Forschung unreduziert zur Geltung kommen und Objektivität der gewonnenen Aussagen erreicht werden kann, ist das Thema der folgenden Kapitel.</p>
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		<title>14.3 Gegenstandsadäquatheit</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 06:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Für Kritische Psychologie ist die Gegenstandsangemessenheit der Methoden das zentrale Kriterium psychologischer Forschung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1496" class="wp-caption alignright" style="width: 490px"><a href="http://grundlegung.de/data/kategorialbezug-empiriebezug-gross.gif"><img class="size-full wp-image-1496" title="Kategorialbezug und Empiriebezug" src="http://grundlegung.de/data/kategorialbezug-empiriebezug.gif" alt="" width="480" height="407" /></a><p class="wp-caption-text">Abb. 32: Kategorial- und Empiriebezug theoretischer Konzepte.</p></div>
<p>Es handelt sich um ein Selbstmissverständnis, wenn die Variablen-Psychologie meint, sich mit ihren experiementell-statistischen <strong>Methoden</strong> auf neutralem Boden zu befinden und ihren Gegenstand, die <strong>psychische</strong> Lebenstätigkeit, unparteiisch untersuchen (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/14-2-traditionelle-psychologie/">Kap. 14.2</a>). Tatsächlich ist in den verwendeten Konzepten, <strong>Theorien</strong> oder Definitionen und somit auch der Festlegung der »Variablen« neben dem <strong>Empiriebezug</strong> ein nicht ausgeführter <strong>Kategorialbezug</strong> enthalten (vgl. Abb. 32).</p>
<p>Der Kategorialbezug legt &#8212; implizit oder explizit &#8212; fest, <em>was</em> erforscht werden soll, wie also der Forschungsgegenstand inhaltlich bestimmt und gegliedert ist. Erst wenn klar ist, <em>womit</em> es die Forschung zu tun hat, kann sinnvoll entschieden werden, <em>wie</em> der so bestimmte Gegenstand untersucht werden kann.</p>
<p>Der Empiriebezug ist der durch den Kategorialbezug strukturierte forschende Zugang zu den vielfältigen wirklichen Erscheinungen. Auf Grundlage eines <strong>kategorialen</strong> Systems sind unterschiedliche Theorien formulierbar, denn Theorien lassen sich nicht logisch aus Kategorien ableiten (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/14-1-kategorien-und-theorien/">Kap. 14.1</a>).</p>
<p>Der Kategorialbezug selbst kann empirisch weder bestätigt, noch widerlegt werden, er ist der <strong>Empirie</strong> vorausgesetzt. Das bedeutet umgekehrt, dass Methoden keineswegs neutral sind, sondern in dem methodischen Herangehen ist bereits eingeschlossen, wie der Gegenstand theoretisch und damit auch implizit kategorial gefasst wurde.</p>
<p>Wenn also etwa ›Lernen‹ als Effekt einer ›Verstärkung‹ definiert wird, so wird damit ein inhaltlicher Zusammenhang formuliert, der einem möglichen Experiment vorausgeht und dieses strukturiert. Im Experiment selbst ist nicht entscheidbar, ob man etwas über Lernen erfährt, da die Frage, was Lernen eigentlich ist, nur kategorial geklärt werden kann. Holzkamp schreibt zu diesem Beispiel zugespitzt:</p>
<blockquote><p>»&#8230;man weiß mithin, obwohl man den aktualempirischen Zusammenhang kennt, über menschliches ›Lernen‹ damit nichts, oder richtiger: Man weiß nicht, <em>kann</em> nicht wissen, <em>was</em> man darüber weiß« (515)</p></blockquote>
<p>Ein impliziter (verborgener) kategoriale Bezug kann allerdings aufgeklärt und in seinem relativen Erkenntnisgehalt eingeschätzt werden (vgl. nächstes Kapitel).</p>
<p>Ob Methoden dem <strong>Gegenstand</strong> angemessen sind, lässt sich nur kategorial klären. Die <strong>Gegenstandsadäquatheit</strong> der Methoden ist das zentrale Kriterium. Daher ist für die Kritische Psychologie eine kategoriale Klärung vorgängig. Die Gegenstandsadäquatheit ist Objektivierungskriterien wie Geltung und Verallgemeinerbarkeit vorgeordnet. Umgekehrt gelte:</p>
<blockquote><p>»&#8230;soweit durch die ›kategorial‹-methodologische Analyse die Gegenstands<em>in</em>adäquatheit der Methode nachgewiesen ist, ist die Objektivierbarkeit ihrer Resultate <em>definitiv wertlos:</em> Was soll ein noch so optimal nachprüfbares, verifizierbares etc. Resultat nützen, wenn es aufgrund der Inadäquatheit des Kategorialbezugs mit dem zu untersuchenden Gegenstand nichts zu tun haben <em>kann?</em>« (521)</p></blockquote>
<p>Holzkamp schließt ironisch:</p>
<blockquote><p>»Wer methodische Objektivierbarkeit als selbständiges oder oberstes Kriterium der Wissenschaftlichkeit unter Ausklammerung der Gegenstandsadäquatheit des Verfahrens etablieren will, der handelt nach der Devise jenes berühmten Betrunkenen, der seinen Schlüssel im dunklen Park verloren hat, aber lieber unter der Laterne suchen will, ›weil es da heller ist‹.« (ebd.)</p></blockquote>
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		<title>14.2 Traditionelle Psychologie</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Feb 2012 06:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die traditionelle Psychologie als Kontrollwissenschaft vom Standpunkt außerhalb und die Kritische Psychologie als Subjektwissenschaft vom Standpunkt erster Person stehen sich konträr gegenüber.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1476" class="wp-caption alignright" style="width: 450px"><a href="http://grundlegung.de/data/traditionelle-psychologie-empirie-gross.gif"><img class="size-full wp-image-1476" title="Empirie-Konzept der traditionellen Psychologie" src="http://grundlegung.de/data/traditionelle-psychologie-empirie.gif" alt="" width="440" height="305" /></a><p class="wp-caption-text">Abb. 31: Empirie-Konzept der traditionellen Psychologie</p></div>
<p>Im Gegensatz zur Kritischen Psychologie vertritt die traditionelle Psychologie, v.a. in ihrer experimentell-statistischen Ausprägung, ein anderes <strong>Empirie</strong>-Konzept (vgl. Abb. 31). Auf Grundlage von <strong>Theorien</strong> und Definitionen formuliert sie bestimmte Zusammenhangsannahmen, die sie mittels &#8212; vorgeblich »neutraler« &#8212; <strong>Methoden</strong> experimentell untersucht. Sie selbst wähnt sich damit <em>außerhalb</em> des zu untersuchenden Forschungsgegenstands und der ihn betreffenden Lebenswelt.</p>
<p>Diese empirisch-experimentelle Anordnung hat die traditionelle Psychologie den Naturwissenschaften entliehen. Sie operationalisiert damit ein Variablen-Schema, nach dem ein als Funktion formulierter Zusammenhang zwischen unabhängigen und durch sie erzeugten abhängigen Variablen besteht, der im Experiment getestet wird. Dabei ist unerheblich, ob der funktionale Zusammenhang <strong>behavioristisch</strong> als Reiz-Reaktion oder <strong>kognitivistisch</strong> als Input-Output (Eingabe-Ausgabe) gefasst wird. Es handelt sich stets um einen deterministischen Zusammenhang von Bedingungen (Reiz, Input), die als Ursachen eine Wirkung, das Verhalten (Reaktion, Output), erzeugen.</p>
<p>Mittels experimenteller Anordnung und statistischen Verfahren werden ggf. störende Einflüsse ausgeblendet, das Ergebnis vereindeutigt und auf diese Weise die messtheoretischen Gütekriterien der Objektivität, Reliabilität und Validität erfüllt. Es wird angenommen, dass mit den messtheoretischen Gütekriterien gleichzeitig die psychodiagnostische Aussagekraft gegeben ist. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Gütekriterien zielen nur auf den Zusammenhang von Experiment und gewonnenen Daten, ein Schluss auf eine psychodiagnostische Aussage ist nicht zulässig.</p>
<p>Die variablen-schematisch formulierten und experimentell-statistisch durchgeführten Untersuchungen besitzen »echte wissenschaftliche Rationalität« (528), doch worauf bezieht sich diese? Sie kann sich nicht auf die psychischen Aspekte menschlicher Aktivitäten beziehen, denn dazu werden zu viele menschlich-spezifische Dimensionen durch die Anordnung wegabstrahiert:</p>
<ul>
<li>die <strong>Subjektivität</strong> und der <strong>Standpunkt erster Person</strong></li>
<li>die <strong>Intersubjektivität</strong> und soziale <strong>Selbstverständigung</strong></li>
<li>die Möglichkeit, sich <strong>bewusst zu den Bedingungen zu verhalten</strong></li>
<li>die Qualität <strong>gesellschaftlicher Kooperation</strong> und die <strong>individuelle</strong> Teilhabe daran</li>
<li>die <strong>kapitalistische</strong> <strong>Infrastruktur</strong> in der jeweiligen <strong>Lebenslage</strong>/<strong>Position</strong> usw.</li>
</ul>
<p>Stattdessen haben Zusammenhangsaussagen <em>über</em> den Menschen »den Charakter einer <em>abstrakt-unhistorischen Allgemeinheit:</em> ›Menschen‹ bzw. ›Organismen‹ überhaupt verhalten sich unter den und den Bedingungen so und so« (43):</p>
<blockquote><p>»Die <em>›Bedingungen‹ </em>erscheinen dabei prinzipiell als (durch den Forscher) <em>gesetzt </em>und das Individuum als unter den <em>so fremdgesetzten Bedingungen </em>handelnd. (&#8230;) Man <em>kann </em>hier die Planung/Auswertung von Untersuchungen gemäß den geschilderten immanent bestimmten Exaktheitskriterien gar nicht anders realisieren als dadurch, daß man die Versuchspersonen nach den daraus sich ergebenden Verfahrensregeln ›unter Bedingungen‹ (›Treatments‹) stellt und ihre dadurch bedingten Aktivitäten registriert.« (529)</p></blockquote>
<p>Holzkamp kommt zu dem Schluss, dass dem experimentell-statistischen Verfahren »nicht primär ideologische Beschränktheit, sondern wissenschaftliches Erkenntnisinteresse &#8230; zugrundeliegt, aber ein Erkenntnisinteresse, das sich aufgrund der Struktur dieses Verfahrens im Resultat selbst widerspricht« (528). Mögliche Ursachen dieses immanenten Widerspruchs werden im nächsten Kapitel diskutiert.</p>
<p>Das Fremdsetzen der Bedingungen vom <strong>Standpunkt außerhalb</strong> im experimentellen Setting entspricht strukturell den Bedingungen der <strong>Entfremdung</strong> in der kapitalistischen Gesellschaft. Die traditionelle Psychologie sei wegen der »<em>Identität des wissenschaftlichen Standpunkts </em>mit dem <em>Standpunkt der ›Kontrollierenden‹ gegen die ›Kontrollierten‹</em>« daher »mit struktureller Notwendigkeit« (530) parteilich. Holzkamp warnt allerdings vor einer einfachen Umkehrung:</p>
<blockquote><p>»Die geschilderte <em>strukturelle Parteilichkeit </em>der Variablenpsychologie ist auch dadurch <em>nicht zu neutralisieren, daß </em>man sie &#8230; – aufgrund des nicht voll überwundenen Missverständnisses von wissenschaftlichen Methoden als ›neutralen‹ Instrumenten, die jedem Interesse dienen können – radikal in den Dienst <em>fortschrittlicher Zielsetzungen und Fragestellungen nehmen will.</em>«</p></blockquote>
<p>Holzkamp schließt, dass sich die traditionelle Psychologie als Kontrollwissenschaft mit der »<em>Universalisierung des ›Standpunkts außerhalb‹, </em>damit der <em>Abhängigkeit der Menschen von fremdgesetzten Bedingungen</em>« und die »<em>›subjektwissenschaftlichen‹ Verfahren </em>vom Standpunkt des Subjekts bzw. der Intersubjektivität &#8230; <em>konträr </em>gegenüberstehen« (532).</p>
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		<title>14.1 Kategorien und Theorien</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 06:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[14. Forschung und Mitforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Aktualempirie]]></category>
		<category><![CDATA[Beschreibungsbegriff]]></category>
		<category><![CDATA[Doppelte Möglichkeit]]></category>
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		<description><![CDATA[Zwischen Kategorien und Theorien besteht kein Deduktionsverhältnis. Weder können Theorien aus Kategorien abgeleitet, noch umgekehrt Theorien durch Abstraktifizierung zu Kategorien verdichtet werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1489" class="wp-caption alignright" style="width: 510px"><a href="http://grundlegung.de/data/kategorien-und-theorien-gross.gif"><img class="size-full wp-image-1489 " title="Kategorien und Theorien" src="http://grundlegung.de/data/kategorien-und-theorien.gif" alt="" width="500" height="293" /></a><p class="wp-caption-text">Abb. 30: Kategorien und (Einzel-) Theorien im Forschungsprozess</p></div>
<p><strong>Kategorien</strong> und <strong>Theorien</strong> besitzen jeweils ein eigenständiges empirisches Fundament. Sie beziehen sich beide auf verschiedene Seiten des gemeinsamen Forschungsgegenstands &#8212; hier auf die psychische Lebenstätigkeit des gesellschaftlichen Individuums (vgl. die schematische Skizze in Abb. 30).</p>
<p>Die historisch-empirische <strong>Kategorialanalyse</strong> wurde als <strong>funktional-historische Rekonstruktion</strong> der Entstehung und Differenzierung des <strong>Psychischen</strong> &#8212; bis hin zum Menschen im Kapitalismus &#8212; geleistet. Die gewonnenen Grundbegriffe, die Kategorien, sind damit schon als solche »›realitätshaltig‹, haben also einen <em>eigenständigen subjektwissenschaftlichen Erkenntniswert innerhalb der Psychologie</em>« (511). Sie machen inhaltlich-fundierte Strukturaussagen, etwa die der <strong>doppelten Möglichkeit</strong>: unter Akzeptanz der gegebenen Bedingungen zu handeln oder Einfluss auf die Bedingungen zu erlangen, um die Handlungsmöglichkeiten zu erweitern (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/11-3-doppelte-moeglichkeit/">Kap. 11.3</a>). Welche der Handlungsrichtungen eingeschlagen wird, welche Widersprüche, Möglichkeiten und Beschränkungen sich dabei ergeben, kann dann allerdings nur aktualempirisch erforscht werden. Allgemeine Strukturaussagen lassen sich nicht auf den Einzelfall herunterkonkretisieren. Kategorien sind analytische Bestimmungen, die den erkennenden Zugriff auf die Lebenswelt strukturieren.</p>
<p>Auf der Grundlage der Kategorien werden (u.U. widerstreitende) Theorien entwickelt, um den wirklichen Erscheinungsreichtum des vorliegenden Einzelfalls mit Hilfe von aktualempirischen <strong>Methoden</strong> zu erschließen. Die Theorien werden &#8212; idealerweise &#8212; in verallgemeinernden (Theorie-) Begriffen formuliert, während die konkreten Ergebnisse der <strong>Aktualempirie</strong> so genau wie möglich in <strong>Beschreibungsbegriffen</strong> erfasst werden.</p>
<p>Zwischen Kategorien und Theorien besteht kein Deduktionsverhältnis. Weder können Theorien aus Kategorien abgeleitet, noch umgekehrt Theorien durch Abstraktifizierung zu Kategorien verdichtet werden. Kategorien setzen den inhaltlich qualifizierten Rahmen &#8212; den »<em>Gegenstand, </em>seine Abgrenzung nach außen, sein Wesen, seine innere Struktur« (27) &#8212; für die Formulierung von Theorien, die Entwicklung von Methoden und die Interpretation von Ergebnissen (Abb. 30: Pfeil mit durchgezogener Line). Scheitern Theorien bei ihrer empirischen Überprüfung, so kann dies auch ein Hinweis auf die Unangemessenheit der kategorialen Grundlage sein (Abb. 30: Pfeil mit gepunkteter Linie). Das kann jedoch wiederum nur kategorialanalytisch überprüft werden.</p>
<p>Wenn auch Methoden durch die Kategorien inhaltlich vorstrukturiert sind, bedeutet das, dass Methoden keinen neutralen Status besitzen (können), sondern mit ihnen vorgegeben ist, was am Forschungsgegenstand sichtbar gemacht werden kann und was systematisch &#8212; methodisch &#8212; verschleiert wird. Der notwendige inhaltliche Zusammenhang von Kategorien und Methoden ist der Ausgangspunkt für die umfängliche Methodenkritik an der traditionellen Psychologie.</p>
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		<title>14. Forschung und Mitforschung</title>
		<link>http://grundlegung.de/artikel/14-forschung-und-mitforschung/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 06:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[14. Forschung und Mitforschung]]></category>
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		<category><![CDATA[Theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[In diesem Kapitel geht es um die Methodologie als Metafrage darum, wie aktualempirische Methoden angesichts konkreter ›Fälle‹ entwickelt werden können.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_158" class="wp-caption alignright" style="width: 382px"><img class="size-full wp-image-158  " title="Vier theoretische Bezugsebenen" src="http://grundlegung.de/data/vier-theorie-ebenen.gif" alt="" width="372" height="267" /><p class="wp-caption-text">Abb. 1: Die vier theoretischen Bezugsebenen der Kritischen Psychologie mit dem Schwerpunkt der funktional-historischen Kategorialanalyse.</p></div>
<p>In diesem Kapitel geht es um die <strong>Aktualempirie</strong> und ihre <strong>Methoden</strong> &#8212; allerdings nicht um diese selbst, sondern um die <strong>Methodologie</strong> als Metafrage darum, wie aktualempirische Methoden angesichts konkreter ›Fälle‹ entwickelt werden können.</p>
<p>Aktualempirische Forschung ist auf einzelne <strong>Theorien</strong> bezogen, die wiederum eine <strong>kategoriale</strong> Grundlage besitzen. Zur Erinnerung seien die vier Bezugsebenen der Kritischen Psychologie (Abb. 1) in Erinnerung gerufen. Mit den Kategorien entscheidet sich, <em>was</em> wir mit auf der Grundlage von auf Einzeltheorien formulierten aktualempirischen Methoden von einem <strong>Gegenstand</strong> zu Gesicht bekommen können und <em>was nicht</em>. Die Kategorien betreffen somit zwei Seiten des Forschungsprozesses: die einzeltheoretisch-inhaltliche und die aktualempirisch-methodische Seite.</p>
<p>Oder in den Worten von Klaus Holzkamp:</p>
<blockquote><p>»Wir fragen &#8230; jetzt nach den <em>methodologischen Prinzipien </em>für die Entwicklung von <em>Methoden </em>aktualempirischer psychologischer Forschung, die sich aus dem Zusammenhang der von uns herausgearbeiteten <em>subjektwissenschaftlichen Kategorialbestimmungen </em>&#8230; ergeben.« (510)</p></blockquote>
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		</item>
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		<title>13.7 Kindheit als Vergangenheit und Gegenwart des Erwachsenen</title>
		<link>http://grundlegung.de/artikel/13-7-kindheit-als-vergangenheit-und-gegenwart-des-erwachsenen/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 06:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Individualentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Aktualempirie]]></category>
		<category><![CDATA[Befindlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstes Verhalten-Zu]]></category>
		<category><![CDATA[Deuten]]></category>
		<category><![CDATA[Individuum]]></category>
		<category><![CDATA[Kind-Erwachsenen-Koordination]]></category>
		<category><![CDATA[Ontogenese]]></category>
		<category><![CDATA[Phänomenalbiographie]]></category>
		<category><![CDATA[Realbiographie]]></category>
		<category><![CDATA[Restriktive Handlungsfähigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstfeindschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Situation]]></category>
		<category><![CDATA[Situationale Befindlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Subjektiver Möglichkeitsraum]]></category>
		<category><![CDATA[Unmittelbarkeitsüberschreitung]]></category>
		<category><![CDATA[Verallgemeinerte Handlungsfähigkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Die unumgehbare kindliche Beschränkung auf unmittelbare Lebenswelt sowie als unmittelbarkeitsfixierte deutende Weltsicht restriktiver Handlungsfähigkeit des Erwachsenen kann zu einer verschränkten Dynamik regressiver Bewältigungsweisen führen. Aktuelle Probleme können also immer auch eine ontogenetisch-biographische Dimension besitzen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <strong>Ontogenese</strong> ist für den Erwachsenen nicht bloß vergangene Geschichte, sondern gegenwärtiger &#8212; präsenter oder verdrängter &#8212; Teil des eigenen Lebens. Ihre Analyse umfasst somit drei Momente:</p>
<ul>
<li>die <strong>Kind-Erwachsenen-Koordination</strong></li>
<li>die Kindheitsentwicklung darin als <strong>Realbiographie</strong></li>
<li>je meine Kindheit, wie ich sie als meine <strong>Phänomenalbiographie</strong> erfahre</li>
</ul>
<p>Unterschiede und Zusammenhang dieser drei Momente müssen sich in der <strong>aktualempirischen</strong> Forschung konkretisieren. Dabei ist insbesondere das Spannungsverhältnis von realer biographischer Entwicklung und je meinem Blick in meiner <strong>situationalen Befindlichkeit</strong> darauf relevant, sofern dies zur »<em>personalen Einschränkung </em>von <em>mir jetzt gegebenen Möglichkeitsräumen, </em>insbesondere der <em>Begünstigung der Alternative ›restriktiver Handlungsfähigkeit‹ </em>&#8230; durch <em>mein Verhaftetsein </em>in <em>Erfahrungsweisen, Beziehungen, Verfügungs- und Bewältigungsformen </em>auf <em>unentwickelten ontogenetischen Prozeßniveaus</em>« (499) (also vor der <strong>Unmittelbarkeitsüberschreitung</strong>) führt.</p>
<p>Wir haben es hier mit zwei Formen der Unmittelbarkeitsverhaftetheit zu tun: die entwicklungslogisch unumgehbare kindliche Beschränkung auf die unmittelbare Kind-Erwachsenen-Koordination (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/13-6-entwicklungszug-der-unmittelbarkeitsueberschreitung">Kap. 13.6</a>) und die unmittelbarkeitsfixierte <strong>deutende</strong> Weltsicht im Modus der <strong>restriktiven Handlungsfähigkeit</strong> des Erwachsenen als Verzicht auf die Alternative <strong>verallgemeinerter Handlungsfähigkeit</strong> (vgl. <a href="http://grundlegung.de/artikel/12-6-deuten-und-begreifen/">Kap. 12.6</a>). In der »Kindheits-Fixierung« sieht es für das <strong>Individuum</strong> so aus,</p>
<blockquote><p>»<em>als ob </em>die <em>kindlichen Erfahrungs- und Bewältigungsweisen </em>vor dem Entwicklungszug der Unmittelbarkeitsüberschreitung auch heute noch, für den Erwachsenen, die <em>einzig mögliche, </em>daher <em>unhinterfragbar ›natürliche‹ Form der Welt und Selbstbegegnung </em>wären« (501).</p></blockquote>
<p>Nach Holzkamp fließen also hier »die <em>Selbstverständlichkeiten des kindlichen Lebens in der Unmittelbarkeit</em> mit dem <em>dem Erwachsenen naheliegenden bzw. nahegelegten Sich-Einrichten in der Unmittelbarkeit phänomenal</em>« (ebd.) zusammen:</p>
<blockquote><p>»Der Umstand, daß der Erwachsene mit seiner ›restriktiven‹ Unmittelbarkeitsverhaftetheit <em>nicht ›als Kind‹, </em>sondern lediglich in gewissem Sinne <em>›wie ein Kind‹ </em>handelt, wäre <em>so nicht reflektierbar </em>und die <em>restriktiv-deutende Welt und Selbstsicht </em>gewönne so an <em>Glätte und Festigkeit selbstverständlicher Funktionalität.</em>« (ebd.)</p></blockquote>
<p>Die Alternative der verallgemeinerten Handlungsfähigkeit ist demnach stets nur »gegen den Strom des allseits (für die fremdbestimmte Erwachsenenexistenz in der bürgerlichen Gesellschaft) Naheliegenden« und damit auch »<em>gegen den Strom der aus der eigenen Kindheit als unreflektiert universeller Erfahrungshintergrund überkommenen Selbstverständlichkeiten</em>« (502) durchzusetzen.</p>
<p>Problematische <strong>Situationen</strong> wären demnach für den Erwachsenen immer auch danach zu befragen, inwieweit sich in ihnen kindliche Bewältigungsformen von Konflikten reaktualisieren:</p>
<blockquote><p>»Zur Überwindung der ›<strong>Selbstfeindschaft</strong>‹ restriktiver Handlungsfähigkeit muß ich also auch zu <em>meiner eigenen Kindheit ein <strong>bewußtes ›Verhältnis‹ </strong></em>gewinnen, d.h. ich muß <em>meine frühkindlichen </em>Weisen der Erfahrung/Bewältigung auf die <em>vergangenen </em>Prämissen ihrer subjektiven Begründetheit/Funktionalität hin durchschauen können, damit realisieren, daß <em>ich jetzt kein Kind mehr bin </em>und, soweit ich versuche, meine Probleme <em>immer noch in ›kindlicher‹ Weise zu bewältigen, </em>damit einer <em>objektiven und subjektiven Verbesserung meiner Lebenslage selbst im Wege </em>stehe.« (506)</p></blockquote>
<p>Dies bedeute, wie Holzkamp betont, jedoch keinen Abschied von der eigenen Kindheit und auch keine Abwendung von den Eltern, sondern eröffne die Möglichkeit, die Formen regressiver Konfliktbewältigung mit den »Eltern als Prügelknaben für die Rechtfertigung meiner eigenen ›restriktiven‹, defensiv-kleinlichen Lebensführung« (507) zu überwinden und damit potenziell »mit ihnen zusammen <strong>Möglichkeitsräume</strong> der Erweiterung gemeinsamer Lebenserfüllung, damit der Verbesserung unserer Beziehungen, auszumachen und zu realisieren suchen« (ebd.). Dies gelte auch in Bezug auf die Kinder, mit denen ich aktuell zusammenlebe. In ihnen kann ich die</p>
<blockquote><p>»subjektive Notwendigkeit der <em>Erweiterung ihrer eigenen Verfügungsmöglichkeiten </em>als Aspekt der <em>allgemeinen </em>Notwendigkeit von Lebensverhältnissen, unter denen <em>die Betroffenen Herr ihrer eigenen Angelegenheiten </em>sind, <em>erkennen, akzeptieren und fördern, muß </em>also die Kinder weder nach dem Bild meiner eigenen defensiven ›Kindlichkeit‹ klein und abhängig halten, noch deren Entwicklung als immer weitergehendes Zurückstecken von ›überhöhten‹ Lebensansprüchen bis hin zum ›Realismus‹ meiner eigenen mickrigen Erwachsenenexistenz verfälschen (und dies womöglich noch, wie die Psychoanalyse, wissenschaftlich stilisieren).« (ebd.)</p></blockquote>
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